Wege der Ganzwerdung

Rhodonit – Stein der Versöhnung

Der Ozean ist in mancherlei Hinsicht ein treffendes Bild für unser Unterbewußtsein. So wie ihm die Flüsse und Ströme aller Kontinente stets Wasser zuführen, so tragen unsere Sinne und Wahrnehmungen stets neue Erlebnisse und Erfahrungen in unsere Seelenwelt. Manches davon betrachten wir, vieles ignorieren wir, und so sinkt etliches in verborgene Tiefen ähnlich den Substanzen, die sich, von den Flüssen ins Meer getragen, dort absetzen und auf dem Grund ansammeln. Vor allem unerfreuliche, unglückliche und schmerzliche Erfahrungen reichern sich dabei in den dunkelsten Tiefen an wie Schlacke, unverarbeitete und ungeliebte Reste unserer Erfahrungswelt.

Ähnliche Sedimente bietet auch der Meeresgrund mit seinen Manganerz-Lagerstätten, dunklen, schweren Mineralien mit schlackengleichem Aussehen, die sich zu Knollen absondern, undurchdringbar und abweisend. Diese würden dort bleiben bis zum jüngsten Tag, wäre die Erde nicht in Bewegung, wodurch Kontinente kollidieren und selbst tiefster Ozeanboden in Gebirge hinein geschoben wird. So wie neue Ereignisse auch in unserem Leben an die tiefsten Erinnerungen rühren und diese, geliebt oder ungeliebt, wieder ans Licht bringen. Dabei kann Wundersames geschehen. Geraten die schlackengleichen Manganoxide des Meeresgrundes, deren Aussehen im wahrsten Sinne des Wortes an „verbrannte Erde“ erinnert, in der Metamorphose der Gebirgsbildung in Kontakt mit Kieselsäure, vollzieht sich ein faszinierender Wandel.

Kieselsäure ist die Substanz, die Licht ins Dunkel der Gesteine bringt. Deren Farbe wird heller und ihre Mineralien werden transparenter, je mehr Kieselsäure sie enthalten (in reinster Form zeigt sich Kieselsäure im klaren Bergkristall). Vergleichbar mit diesem durchlichtenden und erhellenden Effekt der Kieselsäure ist es, wenn wir mit wachem Bewußtsein uns jenen Erfahrungen und Erlebnissen zuwenden, die wir aufgrund von Schmerz, Trauer, Wut, Verletzung oder auch eigenem schlechtem Gewissen in die Tiefen unseres Unterbewußtseins verbannt haben. Jede bewußte Auseinandersetzung damit birgt die Chance in sich, diese Erinnerungen besser zu verstehen, sie dadurch zu erhellen, lichter und leichter zu machen – so daß wiederum ähnliches geschehen kann, wie bei Manganerzen im Kontakt mit Kieselsäure.

Werden diese dunklen Erze nämlich in der Metamorphose unter Druck und Hitze von Kieselsäure durchdrungen und mit jener verbunden, so blühen die schlackengleichen schwarzen Oxide zum wunderschönen, leuchtend rosa bis intensiv roten Silikat auf. Sie gewinnen Transparenz und Glanz und das enthaltene Mangan zeigt sich von einer ganz anderen Seite in der lebenskräftigen Farbe. Ähnlich können jene Erfahrungen, deren wir uns nie wieder erinnern wollten, zu ungeahnten Erkenntnissen führen und einen neuen Quell der Lebenskraft erschließen, wenn wir sie annehmen, betrachten und verstehen. Unabhängig davon, ob uns das Leben in eine Situation bringt, in der solches geschieht, oder ob wir diese Klärung bewußt herbeiführen durch Beratung und Therapie oder in unserer spirituellen Suche.

Rhodonit ist nun ein solches Mineral, das aus dem Kontakt des Manganerzes mit der Kieselsäure entsteht und durch deren Verbindung in der Metamorphose zum rosafarbenen Gestein oder roten Kristallaggregat erblüht. Dabei leugnet der Stein seine Herkunft in der Regel nicht. Oft bleibt er durchzogen von schwarzen Resten jenes Erzes, dem er entstammt. Da Steine stets so wirken, wie sie wachsen, macht Rhodonit es auch uns leichter, die Schatten in unserer Seele zu durchschauen und im Licht unseres Bewußtseins zu erhellen und zu wandeln. Gerade schmerzliche Erfahrungen und seelische Verletzungen hilft er, durch Verzeihen zu heilen, ein Verzeihen, das zunächst in uns selbst wirkt, Wunden schließt und Frieden bringt. Rhodonit macht es zudem leichter, über solche Erlebnisse zu sprechen, sie mitzuteilen (mit anderen zu teilen) und sich dadurch die Last von der Seele zu reden.

Aus diesem inneren Heilungsprozeß heraus wird es dann auch einfacher, auf andere zuzugehen, Konflikte anzusprechen, zu klären und Streit zu schlichten. Auch hier sorgt Rhodonit für Verständnis und erleichtert so den beginnenden Prozeß der Versöhnung. Denn dieser ist nicht abgeschlossen mit den Worten, die gewechselt werden. Die Aussprache macht ihn möglich, doch die eigentliche Versöhnung vollzieht sich in den folgenden Taten, in der Hilfe füreinander und der gegenseitigen Unterstützung. Auch dafür ist Rhodonit ein guter Begleiter, der uns bewegt, mit Herzenskraft und Herzlichkeit das gemeinsame Wohl zu vergrößern. Auf diese Weise unterstützt er uns wie kein zweiter, Versöhnung zu bewirken und neues Vertrauen zu fassen.

So betrachtet ist es kein Wunder, daß Rhodonit auch körperlich als Wundheilstein Nr. 1 bekannt ist. Rhodonit hilft bei Schock und allen Verletzungen, bei Schnitten, Rissen, Aufschürfungen, leichten Verbrennungen und Insektenstichen – und das mitunter in Minutenschnelle! Er stillt Blutungen (auch spontan auftretende wie z.B. Nasen- oder Zahnfleischbluten), läßt Wunden rasch verheilen (daher ist wichtig, daß diese gereinigt und ggf. desinfiziert sind!), lindert die dabei entstandenen Schmerzen und trägt dazu bei, daß keine Narben entstehen bzw. daß diese sich so weit wie möglich zurückbilden und nicht entzünden. Auch nach Operationen und bei stumpfen Verletzungen wie Prellungen, Quetschungen, Verrenkungen, Verstauchungen, Zerrungen, Muskelfaserrissen oder gar Muskelrissen unterstützt Rhodonit den Heilungsprozeß. Er hilft, Blutergüsse aufzulösen, lindert auch hier die Schmerzen und beschleunigt die Regeneration des betroffenen Gewebes. Und so, wie er aus Verzeihen und Versöhnung Herzenskraft und Herzlichkeit entstehen läßt, so stärkt Rhodonit auch körperlich das Herz. Er hilft, daß es selbst gut genährt wird, um kraftvoll schlagen zu können und den Takt anzugeben, an dem sich der gesamte Organismus orientiert. So stärkt Rhodonit auch körperlich unsere Lebensquelle und bewegt mit dem Blut die Lebenskraft zu jeder Zelle.

Stellen wir uns einmal vor, diese Botschaft des Verzeihens und der Versöhnung, die Rhodonit in seinem metamorphen Erblühen aus dunklem Erz wahrnehmbar verkörpert, würde sich um die ganze Welt verbreiten. Sie würde wie Schmetterlingsflügel jene Herzen berühren, die durch Verletzung, Trauer und Wut verschlossen sind, und sie befreien von der verborgenen Pein. Stellen wir uns vor, sie würde als Windhauch jene Flamme beleben, die in allen Herzen wohnt (auch wenn sie nur noch ein Funke zu sein scheint), jene Flamme, die immer stärker brennt, wenn wir uns selbst und andere annehmen, wenn wir uns selbst und anderen verzeihen, wenn wir uns selbst und andere lieben. Stellen wir uns vor, die Botschaft des Rhodonits würde den Sinn all jener berühren, die an altem Unrecht und Schmerzen festhalten und sich nach Rache und Vergeltung sehnen, und das Eis aufbrechen, das den Wunsch nach Vergebung und Befreiung gefangen hält. Stellen wir uns vor, sie könnte dort, wo Streit ist, die Fäuste öffnen und die Hände zum Handschlag bewegen, dort, wo Krieg ist, die Waffen zum Schweigen bringen, und sich dort, wo Verhandlungen stattfinden, zur Erkenntnis kristallisieren, daß dauerhafter Frieden nur im Wohle aller Wesen wurzeln kann. Stellen wir uns vor, sie könnte die alten Wunden schließen und das Vertrauen stärken, daß es uns Menschen gelingt, eine wahrhaft menschenwürdige Welt miteinander und eine wahrhaft lebenswerte Welt mit allen fühlenden Wesen zu teilen. Und uns selbst die Kraft bringen, hierbei mit gutem Beispiel voranzugehen. Vielleicht sollten wir einfach ab und an einen Rhodonit in den Händen halten und uns genau das vorstellen. So lange und so oft, bis es Wirklichkeit geworden ist.

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Gienger Michael

Veröffentlicht von

Michael Gienger arbeitet als Autor, Herausgeber, Seminarleiter, Referent und Initiator von »Fair Trade Minerals«. Zahlreiche Publikationen im Bereich der Steinheilkunde. Michael Gienger beseelt ein Wunsch: Beizutragen zu einer lebenswerten Welt voller Glück und Erfüllung sowie zum Wohle aller Wesen!

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