Wege der Ganzwerdung

Winfried Weber: Energie- und Informationsmedizin

Winfried Weber: Energie- und Informationsmedizin

Die Medizin ist ein weites Feld, das aus immer mehr einzelnen Komponenten zu bestehen scheint. Neben der sogenannten Akutmedizin, die primär in Krankenhäusern und auf Intensivstationen Wertvolles in der Therapie akut erkrankter Patienten leistet, gibt es den Bereich der Medizin, in dem chronische Krankheiten eine Rolle spielen. Diese sind komplex und erfordern Geduld sowohl seitens des Patienten als auch vonseiten des Behandlers. In der Behandlung chronischer Krankheiten fächert sich die Medizin in verschiedene Bereiche auf, dabei fällt zum einen die sogenannte Schulmedizin ins Gewicht – und zum anderen deren Ergänzung, die Komplementärmedizin. Ein Bereich der Medizin, der interessante Behandlungsmöglichkeiten eröffnet, ist ein Zweig der komplementären Medizin: die sogenannte Energiemedizin oder auch Informationsmedizin. Mit ihr befasst sich der Gynäkologe Dr. med. Winfried Weber, der eine privatärztliche Praxis in der Nähe von Darmstadt hat. Seine Leidenschaft gilt dabei einem Aspekt dessen, was er Energie- und Informationsmedizin nennt: der jahrtausendealten Traditionellen Chinesischen Medizin (abgekürzt: TCM), deren Weltbild er in seinem neuen Buch anreißt. Doch in diesem Buch geht es dem Verfasser nicht ausschließlich um Medizin, sondern um mehr. Um viel mehr.

Dieses „Mehr“ legt er anschaulich im ersten Teil seines Buches dar. Dessen erste Hälfte wirkt wie eine lockere Sammlung von Biographischem; so plaudert Winfried Weber über die Zeit seines Medizinstudiums und die dabei gewonnenen Kontakte und Erkenntnisse. Winfried Weber hatte Kontakt zu seinerzeit hochkarätigen Physikern und Querdenkern knüpfen können, dazu gehörte auch Hans-Peter Dürr, an den er sich voller Herzlichkeit erinnert. Auch mit Burkhard Heim, einem blinden Physiker, kam der Verfasser in Kontakt und stellt kurz dessen Modell eines multidimensionalen Universums vor. Dies tut er sehr anschaulich und nachvollziehbar, so dass umso bedauerlicher ist, dass eine solche Erklärung bei anderen Sachverhalten ausbleibt, wie etwa eine klare Definition mancher physikalischer, chemischer und epigenetischer Fachbegriffe. Denn Winfried Weber kann etwas, was nicht selbstverständlich ist: komplexe Sachverhalte auch für Laien begreifbar darstellen.

Zur Politik des Synergia-Verlags, in dem Winfried Weber sein Buch veröffentlichen ließ, gehört, dass die Autoren das Manuskript fertig einreichen. Es findet ausdrücklich keine Begleitung durch den Verlag und kein Lektorat statt, wie der Verlag auf seiner Website erklärt. Dies merkt man dem Buch an, denn es gibt Sprünge in der Übermittlung der Gedanken und Brüche in der Verständlichkeit. Das eine Mal erklärt Winfried Weber einen Sachverhalt so, dass auch jemand, der sich mit Physik oder Medizin schwer tut, diesen verstehen kann, ein anderes Mal wiederum bleiben Begriffe und Vorgänge unerklärt im Raum stehen, wie etwa „Methylierung“,„CH3“ oder „Meso- und Archicortex“. Wer wissen möchte, was das ist, muss sich selber schlau machen. Das ist etwas schade, denn es stört den Lesefluss und unterbricht den Vortrag.

Ein Lektorat hätte dem Buch gut getan – nicht nur in dieser Hinsicht, sondern auch um vereinzelt vorkommende grammatische und Schreibfehler auszumerzen, die sicherlich der Begeisterung des Verfassers geschuldet sind, mit der er von der Materie erzählt, die ihn so sehr fasziniert. Es kann auch nicht wirklich ausschließlich Aufgabe eines Autors sein, ein komplett druckfertiges Manuskript abzuliefern – dann könnte er es ja im Eigenverlag veröffentlichen.

Die Unebenheiten wiegen zwar nicht so schwer, dass sie die Lektüre wesentlich trüben, doch sie fallen auf, weil eben der erste Teil des Buches so gelungen und faszinierend ist.

Winfried Weber: Energie- und InformationsmedizinDenn nicht nur biographische Anekdoten und Erkenntnisse aus dem akademischen Lehrbetrieb der Medizin bilden den ersten Teil, der gut die Hälfte des Buches umfasst, sondern auch Winfried Webers Gedanken und Reflexionen. Hier ist der Bogen weit gespannt, bis hin zu philosophischen Überlegungen. Das ist zuweilen dermaßen spannend und inspirierend, dass es schwerfällt, das Buch aus der Hand zu legen. Primär könnte man sagen, es geht Winfried Weber um den Einfluss des Geistes auf die Materie, der Seele auf den Körper. Hier spricht der Gynäkologe aus über 40jähriger Erfahrung als Arzt, der Frauen in vielen Situationen begleitet hat. Und der nicht nur die Frauen kenngelernt, sondern auch erlebt und erfahren hat, was seelische Zustände beider Eltern beim Kind anrichten können, das im Mutterleib heranwächst. Wer Reiki praktiziert, wird womöglich an vielen Stellen des ersten Teils innehalten und sagen: „Ja, da ist etwas dran, wie könnte es auch anders sein!?“

Der zweite Teil des Buches enthält recht unvermittelt Schemata, die Winfried Weber aus seiner Praxiserfahrung erstellt hat. Es geht um Einflüsse, die in unterschiedlichen Stadien der Schwangerschaft auf das Ungeborene wirken, die das werdende Menschlein bis in dessen Erwachsenenalter hinein gravierend prägen können, sowohl seelisch als auch körperlich. Winfried Weber legt anhand der Meridianverläufe der TCM dar, wo sich Stör-Zonen am und im Körper befinden und welche Symptome dies auslösen könne. Auch dies ist spannend und macht nachdenklich, es könnte eine Ergänzung nicht nur für die Reiki-Praxis sein.

Einschätzung der Redaktion Reiki Magazin: Komplexes Werk, gut rübergebracht!
Synergia-Verlag, 176 Seiten, 17,90 Euro
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Franziska Rudnick

Veröffentlicht von

Franziska Rudnick praktiziert seit 1996 Reiki und wurde 2010 in England zur Reiki-Meisterin eingeweiht. Franziska ist Redakteurin des Reiki-Magazins. Ihr Buch "Heilende Begegnung", das 12 unterschiedliche Geistheiler portraitiert, ist 2012 im Windpferd-Verlag erschienen.

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