Wege der Ganzwerdung

Tibetische Geistwesen

Tibet - Gunther Hagleitner: Tibet - CC BY 2.0

Die Menschen Tibets verspürten in ihrem Land schon seit jeher die Gegenwart von höheren und mächtigeren Kräften. Sie waren sich dessen bewusst, dass ihre Welt von Geistern, Göttern und Dämonen besetzt war, welche die Seen, Flüsse, Berge und Häuser bewachten. Eine besondere Rolle kam den Gottheiten der Berge zuteil; sie waren für religiöses und sozales Umfeld in ihrer Kultur von großer Bedeutung. Ursprünglich stammt dieser Glaube aus ferner vorbuddhistischer Zeit.

Die Rolle des Schamanen

Innerhalb menschlichen Zusammenlebens hatte diese besondere Aufgabe ein Schamane inne. Ein Schamane bezeichnet einen Magier oder Priester, der mit der Hilfe seiner Engergie dazu fähig ist, die von den Geistern besetzte Welt der Menschen zu kontrollieren sowie seine Kraft zu ihrem Wohl einzubringen. Er ist somit imstande, Krankheiten zu heilen, die Zukunft vorauszusagen, die Elemente zu manipulieren und die Seele zu begleiten. Ebenso fungiert er als Vermittler zwischen den Götterspähren und der Menschheit. Der Schamane erhält Visionen und wandelt so zwischen der realen Welt und dem Jenseits. Im vorzeitlichen Tibet wurde der Schamane als Bon-pos bezeichnet.

Die Geistwesen in vorbuddhistischer Zeit

Als Geistwesen im tibetanischen Glauben werden nebst der Götter Yul und Lamo auch die Dämonen und viele weitere Geiser bezeichnet. Ganz unten halten sich die sogenannten Halbgötter oder die Geister der Schlangen – die Nagas – auf. Die Götter des Schutzes, die Lha, erhalten einen besonderen Status im tibetischen Alltag. Sie sind weisse Wesen des Himmels und sind den Menschen gut gesinnt. Der Ausdruck Lha bedeutet Seele, daher kann bei diesen Geistern auch von Seelen gesprochen werden. Die Seele gilt allgemein nicht nur als das Gegenstück des Körpers sondern vereint ebenfalls Gemüt, Charakter und das menschliche Bewusstsein. Weiterhin gibt es bekannte Geistwesen wie Dainichi Nyorai oder Fudo Myo-o.

Die Rolle der Ahnen

Neben der einzelnen Seelen sind die Lha auch die väterlichen und mütterlichen Vorfahren, die für den Erhalt der Familie oder Sippe sorgen. Der P`o lha ist der Ahnenvater und der Mo lha die Ahnmutter. Die auf diese Weise in den Stand der Götter erhobenen Ahnen lebten auf den Bergen. Somit wurden diese zu einer heiligen Stätte. Nach ihrem Tod suchen sie die Berge wieder auf. In der vorbuddhistischen Zeit wurde in Tibet ganz besonders der Schamane als Vermittler zwischen diesen beiden Welten eingesetzt und schließlich auch auf den Bergen beigesetzt. Diese Schutzgeister der Ahnen haben eine große Bedeutung im alten Glauben sowie auch später im modernen Buddhismus. Der alte Volksglaube verschmilzt mit eingebürgerten Reformen und Weltanschauungen und wird noch heute in buddhistischen Schulen gelehrt.

Die heiligen Berge

Den heiligen Bergen der Tibeter wird großer Respekt gezollt. Besonders hervorzuheben ist hier der Amado, dessen Name bedeutungsvoll ist. Es handelt sich hier um eine Bergkette von insgesamt 13 Gebirgen, die den Namen A-myes tragen, was soviel wie ehrwürdiger Großvater bedeutet. Der Berg galt als Gottheit der Ahnen. Hier leben die Nglog-Nomaden, die dessen ursprüngliche Bedeutung vom Gott Manchen Porma ableiten, der dem Glauben nach auf dem Amnye Manchen lebt. Dieser galt als mächtiger Kriegsgott der Berge. Manchmal sind auch mehrere heilige Berge mit den Gewässern des Landes als göttliches Paar vereint. Hier stellt der Berg die Rolle des Mannes dar, das flache Gewässer die der Frau. Ein Beispiel ist der Berggott Nyenchen Thanglha und die Göttin des Sees Gyajin Semo Namtso aus dem See Tengri Nor.

Tibet - Gunther Hagleitner: Tibet - CC BY 2.0

Die Weltbeschützer

Bei den Weltbeschützern handelt es sich um örtliche Schutzgeister, von denen nur die mit der größten Macht zu Schutzgeistern des Landes emporstiegen. Beispiele hierfür sind gZhi-bdag oder die Beschützer der Welten Jig-rten paí. Da Tibet erhebliche kulturelle Unterschiede aufweist, wurde vier beziehungsweise fünf der Götter der Berge besonderer Ruhm zuteil. Diese hatten gegenüber den anderen Berggöttern eine besondere Bedeutung. Räumlich waren sie so aufgeteilt, dass sie den vier Himmelsrichtungen entsprachen. Somit erreichten sie den Status der bedeutsamen Lokapalas, den Weltbeschützern.

Foto: Tibet – Gunther Hagleitner: Tibet – CC BY 2.0

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