Mathias Morgenthaler: Out of the Box

Mathias Morgenthaler: Out of the Box

„Out of the Box. Vom Glück, die eigene Berufung zu leben“, heißt das neueste Buch des Schweizer Journalisten und Buchautors Mathias Morgenthaler. Ja, ist denn nicht jeder zufrieden oder glücklich, der einen Beruf hat, durch den er soviel Geld verdienen kann, dass es möglich ist, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten? Gerade heutzutage, wo es nicht mehr selbstverständlich ist, wie es für die Elterngeneration noch üblich war, jahrzehntelang bei einem Arbeitgeber, einer Firma beschäftigt zu sein, abgesichert sozusagen auf Lebenszeit? Dürfte da nicht die Frage nach der Berufung eher zweitrangig sein?
Mathias Morgenthaler sieht solche Einwände und entkräftet sie im Vorhinein, gleich in der Einleitung seines aus drei Teilen bestehenden Buchs. Er zitiert zu Beginn die Palliativpflegerin Bronnie Ware, die in ihrer Begleitung Sterbender immer wieder festgestellt hat, dass die meisten es bereuten, ihre Träume weniger ernst genommen zu haben, als „die Erwartungen anderer und die Pflichten des Alltags.“ Geld verdienen also, damit man irgendwie über die Runden kommt, verschlinge Lebenszeit und Lebensqualität, am Ende sei niemandem damit gedient, lautet damit die Botschaft.
Beruf ist nicht gleich Berufung. Diesem Thema widmet Morgenthaler sich ausführlich im ersten Teil, den er „Die Anpassungskarriere“ nennt. Hier begründet und erklärt der Autor seine Sicht der Berufswelt und zieht ein gesamtgesellschaftliches Fazit, das nachdenklich macht. Bereits ein Zitat enthüllt schon den Sprengstoff, der in diesem ersten Teil – und letztlich im ganzen Buch – steckt: „Viele erleben ihren Beruf als eine Rolle, die sie spielen … Und fragt man sie, wer sie sind, verweisen sie auf den Job-Titel in ihrer Visitenkarte oder in der Mail-Signatur …“
Außerdem macht Mathias Morgenthaler, Coach und Inhaber der Wortwirkung GmbH, gleich auf den ersten Seiten deutlich, dass „Out of the Box“ kein Selbsthilfebuch sei. Ratgeber, so seine Begründung, machen abhängig. Denn sie torpedierten die Besinnung auf sich selbst, auf das Innere, die innere Stimme. Womöglich hat diese gar Ideen, die ein Ratgeberbuch als unvernünftig bezeichnen und so eine vielversprechende Entwicklung im Keim ersticken würde, wer weiß?
Mathias Morgenthaler: Out of the BoxDer zweite Teil des Buches bildet das Herzstück von „Out of the Box“. Die Essenz von insgesamt tausend Interviews mit Menschen, die ihren bisherigen Beruf, ihre bisherige Methode, Geld zu verdienen, aufgegeben haben, zugunsten dessen, was sie ihre Berufung nennen. In Mathias Morgenthalers Buch sind beispielhaft 57 Interviews von diesen tausend gesammelt; das Ergebnis von zwanzig Jahren Forschung mittels Interviews sozusagen. Da müsste sich doch einiges herauskristallisiert haben. Und das hat es auch. Eines der Interviews trägt den Titel: „Es bringt nichts, den Platz im Gefängnis zu optimieren“ – übrigens auch These Nr. 4 im dritten Teil des Buchs – und bringt auf den Punkt, was Mathias Morgenthaler mit seinem Buch bewegen möchte. Dieses Interview sei nur als Beispiel genannt für die Fülle der Entwürfe, der Wagnisse, der gegangenen Wege, die sich in den 57 Gesprächen zeigen. Ermutigendes ist dabei, Gedanken, die nachdenklich machen. Sie regen immer wieder an, den eigenen Weg anders zu sehen, vielleicht sogar neu, und den eigenen Ideen zu trauen, statt sie gleich, kaum, dass sie entsprungen sind, mit der Schere im Kopf zu beschneiden.
Auch provozierende Thesen finden sich in den Interviews. Diese zuzulassen und dem nachzuspüren, was sie auslösen können, bringt möglicherweise auch auf neue Ideen. Zu jedem der Interviewpartner sind Kontaktinformationen angegeben; es finden sich auch Coaches darunter. Ausreichend Möglichkeiten also, sich bei Bedarf ein Gegenüber suchen zu können, das einen begleitet.
Der dritte Teil von „Out oft he Box“ fasst die Erkenntnisse aus den tausend Interviews in zehn Thesen zusammen. Auch dieser Teil des Buchs ist nicht als Ratgeber im klassischen Sinn gedacht, sondern, wie Mathias Morgenthaler schreibt, „als Einladung zur Auseinandersetzung mit Schlüsselthemen.“ In diesen zehn Thesen geht es neben anderem um die Rolle des Verstandes sowie um das Kerntalent, das in jedem Menschen stecke und letztlich um die Offenheit dem Leben gegenüber, die Bereitschaft zur Neugierde und Ambition.
Dieser dritte Teil ist es wert, immer wieder neu gelesen zu werden, denn der eigene Standpunkt verändert sich: im Dialog mit diesem Buch und parallel dazu mit sich selbst. Das bedeutet vielleicht auch: raus aus der Schachtel, in die man sich selber ständig steckt! Ob es eine solche gibt und wie die aussieht: das herauszufinden, dazu liefert „Out oft he Box“ reichlich Anstöße.

Einschätzung der Redaktion des Reiki Magazin: Besonderes Werk, sehr gelungen!

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Zytglogge Verlag, 382 Seiten, 34,00 Euro

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Franziska Rudnick

Veröffentlicht von

Franziska Rudnick praktiziert seit 1996 Reiki und wurde 2010 in England zur Reiki-Meisterin eingeweiht. Franziska ist Redakteurin des Reiki-Magazins. Ihr Buch "Heilende Begegnung", das 12 unterschiedliche Geistheiler portraitiert, ist 2012 im Windpferd-Verlag erschienen.

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