Eclipse – ein giftiger Schmuckstein!

Seit geraumer Zeit ist unter dem Handelsnamen „Eclipse“ ein Schmuckstein im Umlauf, der sich dank seinem kontrastreichen orange-schwarzen Aussehen zunehmender Beliebtheit erfreut. Allerdings ist dieser Stein mit Vorsicht zu genießen, denn es handelt sich hier um orange-gelben Auripigment auf schwarzem Kalkstein. Auripigment ist wasserlösliches Arsensulfid (As2S3) und daher giftig, wenn es eingeatmet oder verschluckt wird. Gerade in der Kombination mit dem in der Magensäure löslichen Kalkstein ist Vorsicht geboten!

Arsenverbindungen können akute oder chronische Vergiftungen bewirken, wie spätestens seit dem Film „Arsen und Spitzenhäubchen“ bekannt sein dürfte. Akute Arsenvergiftungen rufen innerhalb einer Stunde Leibschmerzen, Erbrechen und Durchfälle hervor. Infolge der damit einhergehenden Wasser- und Elektrolytverluste kann es zu Herz-Kreislauf-Versagen kommen. Auch über die Haut können Arsen-Verbindungen langsam resorbiert werden. Die Aufnahme durch die Lunge und den Magen-Darm-Trakt erfolgt dagegen schnell. Die tödliche Dosis beträgt für den Menschen ca. 0,15 – 0,3 g.

Eine tägliche Aufnahme kleinerer Mengen kann zu chronischen Vergiftungen mit Nervenschäden, Schwäche, Gefühllosigkeit und Kribbeln der Gliedmassen, dunkler Hautfärbung, Rückbildung des Knochenmarks und Leberveränderungen führen. Arsen-Verbindungen sind beim Menschen eindeutig krebserregend und führen häufig zu Leberzirrhose.

Selbst wenn nur „homoöpathische“ Mengen ohne körperliche Vergiftung aufgenommen werden, kann dies zu geistiger Verwirrung, Ruhelosigkeit, Ängsten, Herzklopfen, Schwäche, Erschöpfung, Auszehrung, Abmagerung und Schmerzen führen, die typischerweise periodisch wiederkehren. In diesem Fall macht man/frau quasi eine homöopathische Arzneimittelprüfung durch. In vergangenen Jahrhunderten wurden niedrig dosierte Arsengaben übrigens auch zur sexuellen Stimulanz eingesetzt. Das ist allerdings nicht zur Nachahmung empfohlen…

Auripigment wurde seit dem 16. Jahrhundert auch „Rauschgelb“ genannt und erhielt seinen jetzigen Namen aufgrund der Verwendung als Farbpigment (lat. „auri-pigment“ = „Goldfarbe“). Da orangefarbene Mineralpigmente in der Malerei seit jeher selten waren, erfreute sich das Mineral großer Beliebtheit. Gerade durch die Verwendung feiner Pigmentpulver wurde jedoch auch seine Giftigkeit bekannt.

Doch zurück zum Eclipse: Über die Giftigkeit dieses Steins bei rein äußerlicher Anwendung ist noch nichts bekannt. Doch es ist zur Sicherheit anzuraten, sich nach dem Hantieren mit den Steinen die Hände zu waschen und nichts nebenher zu essen. Beim Schleifen, Bohren und Verarbeiten ist höchste Vorsicht geboten, insbesondere wenn feine Stäube entstehen. Auch Schleifwasser ist Sondermüll, denn Arsenverbindungen sind hochgradig giftig für Wasserorganismen. Auf keinen Fall dürfen die Steine verschluckt werden, daher bitte von Kindern fernhalten! Und daß Eclipse nicht für Edelsteinwasser direkt ins Wasser eingelegt werden darf, versteht sich hoffentlich von selbst!

Nebenbei: „to be eclipsed“ heißt in Englisch so viel wie „ein Schattendasein fristen“…

Um Mißverständnisse zu vermeiden: Ich möchte auf die Giftigkeit dieses Steines hinweisen, um möglichen Schäden vorzubeugen. Dieser Artikel soll keine Angst vor „Giftsteinen“ machen, sondern den richtigen Umgang mit solchen Mineralien erläutern. Eigentlich ist hier der Handel aufgerufen, seiner Sorgfaltspflicht nachzukommen, doch da ich bei diesem Stein weder im Internet, noch in Läden oder auf Messen jemals einen Hinweis auf die Giftigkeit gefunden habe, wurde diese Information einfach notwendig! Mit Arsenverbindungen und insbesondere den Arsensulfiden Auripigment und Realgar ist einfach nicht zu spaßen. Letzterer zerfällt sogar im Sonnenlicht und gibt dabei Arsendämpfe ab.

Tipp für HändlerInnen: Auch für giftige Mineralien gilt die derzeit gültige Chemikalienverordnung, die vorschreibt, daß solche Substanzen nur mit einem Sicherheitsdatenblatt abgegeben werden dürfen, das über den richtigen Umgang damit informiert. Eine Liste giftiger Mineralien finden Sie auf der Homepage des Instituts für Edelsteinprüfung (EPI) unter: http://www.epigem.de/artikel/giftige_mineralien.htm. Dort können dankbarerweise auch gleich die vorgeschriebenen Sicherheitsdatenblätter heruntergeladen werden.

Um Panik zu vermeiden: Bitte beachten Sie, daß sich die Sicherheitsdatenblätter auf pulverisierte Substanzen beziehen. Ein Stein, der fest und kompakt in der Sammlung liegt und weder Staub noch Dämpfe abgibt, ist daher kein Problem. Auch Schmucksteine, die nur äußerlich getragen werden, sind nur selten problematisch, es sei denn sie enthalten Quecksilber (Zinnober) oder Arsen (Auripigment, Realgar). Doch bei der Verarbeitung oder inneren Einnahme (Edelsteinwasser) ist auf jeden Fall Vorsicht geboten! Zur Orientierung können hier auch die „Giftlisten“ folgender Bücher dienen:

Gienger/Goebel, „Edelsteinwasser“, Neue Erde, Saarbrücken 2006
Gienger/Goebel, „Wassersteine“, Neue Erde, Saarbrücken 2007

Wie gesagt: Mit etwas Bewußtheit und Achtsamkeit läßt sich auch mit giftigen Mineralien und Schmucksteinen richtig umgehen. Wichtig ist nur, die dafür notwendigen Informationen zu kennen…

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Gienger Michael

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Michael Gienger arbeitet als Autor, Herausgeber, Seminarleiter, Referent und Initiator von »Fair Trade Minerals«. Zahlreiche Publikationen im Bereich der Steinheilkunde. Michael Gienger beseelt ein Wunsch: Beizutragen zu einer lebenswerten Welt voller Glück und Erfüllung sowie zum Wohle aller Wesen!

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