Hatha Yoga

Von Narendra Modi - International Yoga Day, CC BY-SA 2.0

Entstehung/ Geschichte des Hatha Yoga

Innerhalb der langen Geschichte des Yoga, besitzt das Hatha-Yoga eine vergleichsweise kurze Historie. Sein Beginn wird auf das 12. Jahrhundert n. Christus datiert. In den meisten anderen indischen Yogatraditionen wird der Körper eher als Hindernis auf dem Weg zur spirituellen Erleuchtung definiert. Das Hatha-Yoga dagegen, geht von dem Ansatz aus, dass der physische Körper des Menschen ein wichtiges Mittel zur Erlangung der spirituellen Reife darstellt. Das Wort Hatha bedeutet Kraft, beziehungsweise Anstrengung. Zentrale Bedeutung innerhalb dieses Systems besitzen die Körper- und Atemübungen. Nachdem das Hatha-Yoga lange Zeit nur eine Teildisziplin der klassischen Yogastile bildete, hat es sich inzwischen zu einer eigenen Yoga-Form entwickelt und gilt als der populärste Stil innerhalb der westlich geprägten Staaten.

Die Ausbildung – Wie lernt man Hatha Yoga?

Für den Anfänger in Sachen Yoga eignen sich Yoga-Kurse, die von Yoga-Instituten, Yoga-Schulen oder auch von Volkshochschulen angeboten werden. Man kann aber auch zu Hause, anhand von Video-Kursen, Anleitungen auf DVDs, CDs oder Büchern, mit den ersten Übungen beginnen. Eine sehr entspannte Möglichkeit zum Einstieg in das neue Hobby sind Yoga-Ferien. Jeder Mensch kann Hatha-Yoga lernen und praktizieren, denn die Übungen werden stets an den körperlichen und seelischen Zustand des Schülers angepasst.

Wer tiefer in die Materie einsteigen, oder sein Hobby zum Beruf machen möchte, der kann eine Ausbildung zum geprüften Yoga-Lehrer absolvieren. Die Ausbildung zum Hatha-Yoga-Lehrer ist viel mehr als ein Kompaktkurs in Sachen Erleuchtung! In den mehrwöchigen Kursen zur Erlangung der Zertifizierung werden Theorie und Praxis des Hatha-Yogas ausführlich gelehrt.

Formen

Die Kunst des Hatha Yoga beinhaltet Atemtechniken (Pranayama), Körperübungen (Asanas), Meditationsübungen und die muskuläre Tiefenentspannung (Yoga-Nidra).

Alle Formen des Hatha Yoga besitzen das gemeinsame Ziel, die polaren Grundenergien des Menschen miteinander in Einklang zu bringen. Mit der Durchführung der Asanas soll der Körper gepflegt, gekräftigt und geheilt werden. Denn wie bei vielen anderen Religionen oder spirituellen Richtungen auch, wird hier der Körper als Tempel angesehen, in dem die Seele wohnt.

Die Shatkryiyas

Dabei handelt es sich um spezielle Techniken zur Reinigung des Körpers. Die wichtigsten sind „Neti“, das ist die Nasenspülung, „Kapalabhati“ ist die Feueratmung, bei „Dhauti“ wird der obere Teil des Verdauungskanals gereinigt und „Basti“ bezeichnet einen Einlauf zum Zweck der nachhaltigen Darmreinigung.

Die Mudras

Der Sinn der Mudras besteht in einer intensiven Wahrnehmung des Selbst. Dieser Zustand wird durch eine reglose Körperhaltung, eine bewusste Atemlenkung, eine tiefe Konzentration und das Abschließen der Sinne nach außen erreicht. Innerhalb der verschiedenen Yoga-Richtungen haben sich spezielle Mudras etabliert. So handelt es sich bei den Kaya Mudras um Übungen, die mit dem ganzen Körper durchgeführt werden. Vom reinen Ablauf her sind sie den Asanas ähnlich, doch die Kaya Mudras sind wesentlich komplexer und besitzen eine tiefere Wirkung auf die feinstofflichen Energien des Körpers.

Bei den Hasta Mudras handelt sich um die besonderen Hatha-Yoga-Stellungen von Hand und Fingern. Die Mana Mudras werden im Bereich des Kopfes ausgeführt, zum Beispiel mit den Augen oder mit der Zunge. Der Beckenbereich ist die Stelle des Körpers, der bei den Adhara Mudras bewegt wird. Und die sogenannten Bandhas sind Energieverschlüsse, die angewandt werden, um ein Austreten der Energie zu verhindern.

Offizielle Yoga-Verbände

Der BDY (Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland) bildet die Dachorganisation für 32 Ausbildungsschulen, die sich verpflichtet haben, den Qualitätskriterien des BDY zu entsprechen.

Auch die 1970 gegründete DYG (Deutsche Yoga-Gesellschaft) ist ein Mitglied des Rings Deutscher Yoga-Lehrer und ist sogar ein Gründungsmitglied vom DYV (Dachverband Deutscher YogalehrerInnen). Zu diesem Dachverband gehören ebenfalls der BYV (Bund der Yoga Vidya Lehrer) und die 3HO (3H Organisation Deutschland).

Alle oben genannten Verbände setzen sich für eine Standardisierung und qualitative Sicherung der Ausbildung zum Yogalehrer ein. Ein weiteres Aufgabenfeld der Verbände besteht in der Vernetzung von Forschung, Wissenschaft und Praxis.

Yoga-Schulen, die einem der genannten Verbände angehören, kann der Schüler mit Vertrauen besuchen. Allerdings ist die Yoga-Szene in Deutschland sehr bunt und zum Teil widersprüchlich. Manche Schulen legen auch im Hatha-Yoga den größten Wert auf die spirituelle Weiterentwicklung der Übenden, andere Institute stellen eher den sportlichen Aspekt in den Vordergrund. Eine Reihe von Instituten, die sich der spirituellen Dimension des Yoga verschrieben haben, fühlen sich von den Dachverbänden nicht gut vertreten und sind demzufolge keine Mitglieder dieser Organisationen. Das sagt allerdings wenig über ihre Qualität aus, auch diese Schulen und Institute können durchaus sehr gute Arbeit leisten.

Richtungen innerhalb des Hatha-Yogas

Die Basis des Sampoorna Hatha Yoga wurde von Swami Sivananda entwickelt und von Shri Yogi Hari zum „Yoga der Fülle“ weiter ausgearbeitet. Im Sampoorna Hatha Yoga wird der Fokus neben den Atem- und Bewegungsübungen im besonderen Maße auf die Entspannung, die Meditation, die gesunde Ernährung und das positive Denken gelegt.

Das Sri Sai Prana Yoga wurde vom Grandmaster Choa Kok Sui entwickelt. Bei dieser Ausrichtung innerhalb des Hatha-Yogas liegt der Fokus auf der Prana-Heilung. Neben den üblichen Asanas beinhaltet das Sri Sai Prana Yoga eine besondere Atemtechnik. Es wird hier viel Wert auf die Energetik und den spirituellen Hintergrund gelegt. Das Ziel ist der Zustand der vollkommenen, inneren Ruhe.

Die Anwendungsmöglichkeiten und positiven Effekte des Hatha Yoga

International Yoga Day 2015 in New Delhi. Von Narendra Modi - International Yoga Day, CC BY-SA 2.0

International Yoga Day 2015 in New Delhi. Foto von Narendra Modi – International Yoga Day, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41229238

Diese spezielle Form des Yoga bringt Körper, Geist und Seele in eine harmonische Balance. Die bekanntesten Asanas, wie die Kerze oder die Katze sind leicht erlernbar. Diese Übungen sind auch für relativ unsportliche Menschen geeignet. Auf angenehme Weise werden auf dem Weg des Hatha Yoga die Ausdauer und die Beweglichkeit gefördert und intensiviert. Durch regelmäßiges Üben wird der Hatha-Yoga-Schüler durch viele positive, gesundheitliche Effekte belohnt. Körperliche, wie auch geistige Müdigkeit verschwinden, depressive Verstimmungen gehören der Vergangenheit an, überflüssiges Fett wird abgebaut, alle Gelenke werden beweglich, die inneren Organe arbeiten perfekter und, nicht zuletzt wird das Immunsystem angeregt. Hatha Yoga fördert eine gelassene Einstellung zum Leben und bewirkt eine geistige Klarheit in Kombination mit einer verbesserten Fähigkeit zur Konzentration.

Diese Form des Yoga kann auch bei Rückenproblemen eine große Hilfe sein. Oftmals werden spezielle Matratzen, Sitzmöbel, Schuhe für einen gesunden Rücken oder andere Helfer eingesetzt, die Linderung bringen können. Wesentlich hilfreicher ist es allerdings, Haltungsfehler direkt durch Yoga oder Tai Chi Chuan anzugehen. Es ist sogar für Patienten mit geeignet, die an starken Rückenschmerzen leiden, denn der Stil des Hatha Yoga ist sehr langsam und die Positionen werden lange gehalten. Mittlerweile haben sich spezielle Formen des Hatha-Yoga etabliert, dazu gehört das Rückenyoga, das Hormonyoga und das Seniorenyoga.

Buchtipps zur Vertiefung des Themas

  • Das Hatha-Yoga Lehrbuch – Sampoorna Hatha Yoga – Perfektion in Bewegung. Die 250 besten Übungen von Marcel Anders-Hoepgen. verlegt im Systemed Verlag
    In diesem Buch führt der Autor Marcel Anders-Horpgen den Leser mit viel Liebe und Engagement in das Sampoorna-Yoga ein. Neben den zahlreichen Fotostrecken bietet dieses Buch auch eine Fülle an Inspirationen für die Meditation und das Gebet an. Die Themen Ernährung und Entspannung werden vom Autor ebenso berücksichtigt, wie die Grundlagen der Atemtechnik.
  • Yoga für Einsteiger von Harry Waesse und Martin Kyrein, aus dem Ratgeber Gesundheit Programm des Gräfe und Unzer Verlages
    In diesem kompakten Ratgeber findet der Anfänger in Sachen Yoga viele wissenswerte Informationen. Step by Step wird der Schüler durch die ersten Übungen geführt. Dabei wird der besondere Fokus auf das Erlernen der richtigen Atemtechnik gelegt. Anhand von Interessen, Zeit und aktuellen, gesundheitlichen Problemen kann sich der Leser mit den Programmvorschlägen aus dem Buch ein eigenes und individuelles Trainingsprogramm zusammenstellen.
  • Ebenfalls im Gräfe und Unzer Verlag ist Das große Yoga-Buch: Das moderne Standardwerk zum Hatha-Yoga von der Autorin Anna Trökes erschienen.
    Bei diesem Buch handelt es sich um ein Standardwerk, neben dem traditionellen Wissen werden moderne, medizinische Erkenntnisse beschrieben. Dieses Buch eignet sich für Anfänger, Fortgeschrittene, sowie bereits zertifizierte und praktizierende Yoga-Lehrer. Neben den Grundhaltungen beim Durchführen des Asanas legt die Autorin viel Wert auf die Informationsvermittlung über den spirituellen Weg des Yoga.
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