Gefahrenquelle Rosenquarz?

Seit Mitte Januar wandern eMails mit dem Betreff „Vorsicht mit Rosenquarz“ durchs Internet, in denen der beliebte Heilstein als gefährliche Strahlenquelle dargestellt wird. Angeblich soll ein faustgroßer Stein radioaktive Gammastrahlung aussenden (Zitat: „2 Milliarden Röntgen, die nachweisbar bis zu 1km durch alle Wände dringen“). Rosenquarz-Splitterketten dagegen seien unschädlich (ja sogar heilsam), da das „Schütteln“ der Kette die Gammastrahlung unterbricht.

Schon an dieser Stelle stellten sich mir die Nackenhaare hoch – allerdings nicht aus Angst vor dem mehrfach faustgroßen Rosenquarz in meinem Arbeitszimmer, sondern aufgrund des offensichtlichen Unsinns in diesen eMails. Gammastrahlung ist Radioaktivität, die beim Zerfall bestimmter Elemente freigesetzt wird. Und Kennzeichen des radioaktiven Zerfalls ist es, daß er weder durch Temperatur, noch durch Druck und schon gar nicht durch „Schütteln“ beeinflußt werden kann! Was auch immer hier „nachweislich“ gemessen worden war, es war auf jeden Fall KEINE Gammastrahlung!

Doch es kam noch dicker: Auch „Drusen“ (vermutlich Amethystdrusen) seien „Gamma-Kanonen“, die von Berlin bis Alaska strahlen könnten, und zur Entsorgung in kleine Stücke zerschlagen werden müßten. Und, noch schlimmer, sogar die meisten Zentralheizungen gäben inzwischen „Antiprotonenstrahlung“ ab sowie (Zitat) „mit Gamma untersetzte Schwingung, die dem Dioxin entspricht“. Da ist nun wirklich alles hineingemischt, was furchtbar klingt, insbesondere wenn man an die verheerenden Wirkungen der Antiprotonenwaffen in manchen Science Fictions denkt… – Aber Spaß beiseite: Auch das ist Unsinn! Weder sind Amethystdrusen Gammastrahler, noch können in Zentralheizungen Antiprotonen entstehen! Letztere lassen sich nur mit gigantischen Energiemengen in milliardenteuren Teilchenbeschleunigern künstlich erzeugen. Das schafft keine Heizung!

Nun, da ich es stets genau wissen will, habe ich die o.g. Mails an drei Experten weitergeleitet und die Steine untersuchen lassen. Das Ergebnis in Kürze:

  • Keine erhöhte Gammastrahlung meßbar, weder bei Rosenquarz, noch bei Amethyst, noch aus Zentralheizungen!
  • Radiästhetisch (mit Ruten gemutet) finden sich dagegen weitreichende energetische Abstrahlungen bei den betreffenden Steinen (die Aura der Steine), die jedoch nicht negativ wirken.
  • Antiprotonenstrahlungen aus Heizungen sind Unsinn.

Nun, die weitere Recherche auf der Homepage des „Instituts“, das für die Mails verantwortlich zeichnet, brachte dazu noch folgendes an den Tag:

  • Die sogenannten „Nachweise“ waren keine Messungen, sondern mit bestimmten Ruten ermittelte Mutungen.
  • Als Abhilfe gegen die „Antiprotonenstrahlung“ wurde Kupferdraht empfohlen.
  • Und, wer hätt’s gedacht, das Institut vertreibt Geräte zur Abschirmung verschiedenster Strahlungen.

Kein Kommentar dazu!

Mein abschließendes Fazit zur ganzen Angelegenheit: Wenn Sie Mails erhalten, die dergestalt vor Rosenquarz und anderen Steinen warnen, beseitigen Sie diese am besten kurz und schmerzlos per Mausklick. Hier wird mit Begriffen herumgeworfen, die der Autor offensichtlich selbst nicht versteht. Diese Mails sind Unsinn, der unnötig verunsichert und letztendlich nur einen Nutzen haben kann – nämlich den Verkauf bestimmter „Strahlenschutz-Geräte“ zu fördern, die zumindest hinsichtlich der Steine nutzlos und überflüssig sind. Also: Wegklicken!

Erfreuen Sie sich lieber an Ihren Steinen. Das tut auf jeden Fall gut!

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Gienger Michael

Veröffentlicht von

Michael Gienger arbeitet als Autor, Herausgeber, Seminarleiter, Referent und Initiator von »Fair Trade Minerals«. Zahlreiche Publikationen im Bereich der Steinheilkunde. Michael Gienger beseelt ein Wunsch: Beizutragen zu einer lebenswerten Welt voller Glück und Erfüllung sowie zum Wohle aller Wesen!

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