Vom Budstone zum Prasem und zurück

Was ist Prasem? Der Name Prasem geht auf griech. „prasos“ = „Lauch“ zurück und bezeichnete in der Antike und im Mittelalter alle (im Gegensatz zu Heliotrop oder Chrysopras) unedleren grünen Quarze. In dieser Grundbedeutung hat er sich bis in die Gegenwart erhalten. Mineralogisch definiert ist Prasem ein kristalliner Quarz, der durch den massenhaften Einschluß von Aktinolith oder ähnlichen Silikaten grün gefärbt ist.

Vor gut 25 Jahren kam aus Südafrika ein grüner Stein auf den Markt, der zunächst überwiegend als Trommelstein vertrieben wurde. Er sah oftmals wie eine geknetete grüne Masse aus, die in trommelpolierter Form mitunter an eine geschlossene Blütenknospe erinnerte. Daher erhielt er den Namen „Budstone“ (engl. „Knospenstein“).

Im deutschsprachigen Raum war dieser Name für den Absatz des Steins nicht wohlklingend genug – ein Phänomen, das durchaus auch von anderen Steinen bekannt ist: Blauer Zoisit verbreitete sich ebenfalls erst dann, als er „Tansanit“ genannt wurde, ebenso der grüne Klinochlor, der erst als „Seraphinit“ Absatz fand. So kamen Idar-Obersteiner Edelsteinhändler auf die Idee, den grünen „Budstone“ aus Südafrika „Prasem“ zu nennen, in Erinnerung an die alte Definition der Antike und des Mittelalters.

Mit dem neuen Namen fand der Stein prompt besseren Absatz. Immerhin wird „Prasem“ schon bei Hildegard von Bingen genannt, die u.a. folgendes darüber schreibt: „Der Prasem wächst, wenn die Sonne gegen Abend ihre Strahlen von der Erde abzieht und schon der erste Tau fällt. Dann nähert sich die Sonne dem Gestein des eingangs genannten Berges und bringt ihn mächtig zum Glühen, und so wird an dieser Stelle der Prasem aus der Glut der Sonne und der Feuchtigkeit der Luft und des Wassers und der Grünkraft des Taus geboren.“

Von Seiten der Mineralogie regte sich jedoch Widerspruch, da Prasem hier als grüner Kristallquarz (s.o.) definiert ist. Der südafrikanische „Budstone“ war jedoch offensichtlich ein derbes Gemenge ohne makroskopische Kristallform. Als Kompromiss entstand im Laufe der Zeit schließlich der Name „Prasemquarz“, mit dem alle Beteiligten vorerst zufrieden waren.

Bis das Institut für Edelstein Prüfung (EPI) in Ohlsbach (http://www.epigem.de) in diesem Jahr bei genaueren Studien zu diesem Stein feststellen mußte, daß etliche Proben davon keinerlei Quarz enthielten! Das stellte sowohl die mittelalterliche Bezeichnung Prasem (= grüner Quarz), als auch das moderne Anhängsel „-quarz“ radikal in Frage. Wie sich herausstellte, handelt es sich bei „Prasemquarz/Budstone“ um ein Gestein, das manchmal geringe (!) Anteile von Quarz enthält, aber längst nicht immer!

Genau betrachtet ist Budstone ein Grünschiefer, ein 3,2 Milliarden Jahre altes metamorphes Gestein mit Anteilen von Plagioklas-Feldspat (meist Albit) und chromreichem Glimmer (meist Fuchsit). Quarz tritt wie gesagt nur gelegentlich als Nebengemengteil auf. Darüber hinaus können Rutil (Titanoxid) und Eskolait (ein seltenes Chromoxid aus der Korundgruppe) vorhanden sein. Abgesehen vom „Quarzmangel“ zeigen sich also Parallelen zum grünen Aventurinquarz, der spannenderweise auch ähnliche Heilwirkungen zeigt.

Auf jeden Fall sind die Namen „Prasemquarz“ oder gar „Prasem“ für diesen grünen Stein aus Südafrika nun definitiv nicht mehr haltbar. Die Rückkehr zum ursprünglichen „Budstone“ als Handelsname ist angesagt (häufig auch „Buddstone“ geschrieben, was jedoch von englisch „bud“ = „Knospe“ wegführt). Geologisch korrekt müßte man hier schlicht von einem „Grünschiefer“ reden, doch davon gibt es so viele verschiedene, daß „Budstone“ als Abgrenzung im Handel durchaus Sinn macht. Mit dem südafrikanischen Budstone vergleichbare Grünschiefer-Gesteine gibt es übrigens auch in Australien.

Doch wie steht es nun um die Heilwirkungen des Budstones? Diese sind wohlbekannt, denn das Gros der Wirkungen, die bislang unter „Prasem“ in der Literatur zu finden sind, wurden mit Budstone erzielt. Gerade z.B. der „Sonnenschutz“, der den Stein im Sommer so interessant macht: Budstone stärkt die Resistenz gegen Sonneneinstrahlung, beugt daher Sonnenbrand vor und kann bei Sonnenstich und Sonnenbrand auch als Heilmittel verwendet werden (z.B. als Edelsteinwasser). Diese Wirkung hat Budstone mit dem grünen Aventurinquarz gemeinsam. Sie hängt offensichtlich mit dem farbgebenden Chrom in beiden Steinen
zusammen, denn je höher der Chromgehalt (= je intensiver die Farbe), desto besser wirken diese Steine. Chromverbindungen werden übrigens auch in der Homöopathie bei Entzündungen gegeben.

Für die Neuausgabe der „Steinheilkunde“ galt es daher, zu differenzieren, welche Heilwirkungen tatsächlich mit Prasem (im
mineralogischen Sinne) und welche mit Budstone erzielt wurden. Anhand alter Unterlagen konnte ich dies glücklicherweise nachvollziehen. Daher abschließend nun die heilkundliche Differenzierung von Budstone und Prasem (aus „Die Steinheilkunde“, Neue Erde, Saarbrücken 2014):

BUDSTONE (GRÜNSCHIEFER)

Spirituell bringt Budstone Entschlossenheit und Lebenskraft. Er fördert das geistige Wachstum, stärkt die Beherrschung und ermöglicht eine bewußte Kontrolle des eigenen Lebens. Seelisch lindert Budstone hitziges Gemüt, Zorn und Wutausbrüche. Er baut die eigenen Kräfte bei tiefer Erschöpfung wieder auf, hilft, im Fluß zu bleiben und Schwierigkeiten zu überwinden.
Mental hilft Budstone, selbst bei heftigsten emotionalen Reaktionen die bewußte Kontrolle über die eigenen Handlungen nicht zu verlieren. Er bringt Kreativität, Ideenreichtum und Tatendrang. Körperlich lindert Budstone Entzündungen und Schmerzen. Er hilft, beweglich zu bleiben, entlastet die Gelenke und lindert Strahleneinflüsse, Sonnenbrand, Sonnenstich, Hitzschlag und Insektenstiche.

PRASEM (QUARZ)

Spirituell bringt Prasem Geduld und Sanftmut. Er hilft, das Leben in ruhige Bahnen zu lenken und intuitiv die eigenen Ziele zu verfolgen. Prasem fördert Ausgeglichenheit und Gleichmut. Seelisch hilft Prasem, Lasten und Sorgen leichter zu nehmen und Konflikte zu lösen. Er wirkt beruhigend und hilft besonders nachtragenden Menschen, sich wieder zu versöhnen. Mental ermöglicht Prasem, bei Schwierigkeiten und Konflikten vernünftig und besonnen zu bleiben und einfach-pragmatische Lösungen zu finden, die für alle Beteiligten passen. Körperlich wirkt Prasem kühlend, schmerzlindernd und fiebersenkend. Er läßt Schwellungen und Prellungen abklingen, hilft bei Blasenbeschwerden und lindert Hitzschlag, Sonnenstich und Sonnenbrand.

ANWENDUNG

Beide Steine können auf betroffene Körperregionen aufgelegt, als Kette, Anhänger und Handschmeichler getragen, als Steinkreis ausgelegt oder als Edelsteinwasser eingenommen werden. Edelsteinwasser wird kraftvoller, wenn es im Sonnenlicht angesetzt wird. Weitere praktische Angaben zur Anwendung finden Sie in:
Michael Gienger, Heilsteine – ihre Kraft und Wirkung kennen und nutzen, Kosmos Verlag, Stuttgart 2013

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Gienger Michael

Veröffentlicht von

Michael Gienger arbeitet als Autor, Herausgeber, Seminarleiter, Referent und Initiator von »Fair Trade Minerals«. Zahlreiche Publikationen im Bereich der Steinheilkunde. Michael Gienger beseelt ein Wunsch: Beizutragen zu einer lebenswerten Welt voller Glück und Erfüllung sowie zum Wohle aller Wesen!

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