Jakob Bösch: Spirituelles Heilen und Schulmedizin

Jakob Bösch: Spirituelles Heilen und Schulmedizin
AT Verlag, 2007, 168 Seiten, 17,90 €

Was kommt dabei heraus, wenn ein
Hirnforscher und Psychiater, zuletzt leitender Arzt für Psychiatrie
an einer Schweizer Uni-Klinik, sich mit geistigem Heilen beschäftigt?
Ein Ergebnis ist ein Buch wie dieses: essayistisch im Stil und gut zu
lesen. „Spirituelles Heilen und Schulmedizin“ ist dabei auch eine
Einführung in das komplexe, spannende Thema des Verhältnisses
zwischen Schulmedizin und spirituellem Heilen.




Der Schweizer
Mediziner Jakob Bösch befasst sich seit vielen Jahren mit geistigem
Heilen und erforscht zudem die Arbeit von geistigen Heilern in der
Schulmedizin. Zu Wort kommen in seinem Buch, neben etlichen anderen,
Physiker wie Max Planck, David Bohm und Erwin Laszlo, Hirnforscher
wie Carl Pribram und geistige Heiler wie ­Sylvia Wallimann und
der Engländer Harry Edwards – was deutlich macht, dass eine scharfe
Trennlinie zwischen Phänomenen der Physik, Medizin und denen des
Geistes nicht gezogen werden kann.

Generell scheint eine solche Trennung
eine Illusion, was schon in der Einleitung deutlich wird, wo der
Autor den Physikdozenten und ehemaligen Astronauten Brian O’Leary
zitiert, der von der Not der Erde spricht und sich für deren Heilung
ein „zweites Erwachen der Wissenschaft“ wünscht. Hier sieht
Jakob Bösch Parallelen zur Schulmedizin und deren gegenwärtiger
Krise. Denn sowohl die Krise des Planeten als auch die der Medizin
beruhen auf einer Wissenschaft, die Jahrhunderte nach der zunächst
befreienden Trennung von kirchlichen Doktrinen nun inzwischen selbst
erstarrt ist und in einem materialis­tischen Weltbild gefangen.

Mit seinem Buch möchte Jakob Bösch
zeigen, wie eine „Neuorientierung der Medizin“ möglich ist und
wie die „lebendige Seele“ wiederentdeckt werden kann. Denn sie
hat, so stellt er fest, „die Kraft zu heilen“. Doch zunächst
fragt er, was die Schulmedizin durch Integration der Seele, von
Spiritualität und spirituellem Heilen gewinnen könne? Sie könnte
einen weiten, umfassenden Blick auf den Menschen erlangen und ihn als
ein sich fortwährend entwickelndes Wesen sehen, getrieben von der
Frage nach dem Sinn des Lebens und dem von Krankheit. Doch die
Sinnfrage stellt laut Jakob Bösch zugleich eine Verbindung her
zwischen Medizin und Religion, sowie zwischen den Störungen der
Gesundheit und denen, die im Wesen des betreffenden Menschen zugrunde
liegen. In der psychosomatischen Medizin sind solche Zusammenhänge
längst bekannt.

Im Bereich der Religion liegt
traditionellerweise auch die Versöhnung, die für Jakob Bösch
unabdingbar zum Heilungsprozess gehört. Wie ein Versöhnungsprozss
geschehen und was er für Auswirkungen haben kann, wird vom Verfasser
ebenso beschrieben wie die Ergebnisse zahlreicher
Bewusstseinsforschungen. Zudem spannt der Autor den Bogen weiter, bis
hin zu seinen Ansichten bezüglich medizinischer Standards. Dabei
geht der Forscher mit dem Dogma der randomisierten Doppelblindstudie
ins Gericht und stellt dar, was der Glaube an sie in der heutigen
Medizin für Auswirkungen hat, nicht allein hinsichtlich der
Akzeptanz komplementärmedizinischer und spiritueller Heilmethoden,
die eben gerade nicht in die standardisierten Schemata passen. Es ist
nicht neu, dass diese hochkontrollierten Studien auch einen extrem
vereinfachenden Blick auf das System Mensch haben, welcher dem
Geschehen im menschlichen Körper nicht gerecht wird. Der Mensch sei
eher mit Begriffen der fraktalen Mathematik oder der Chaostheorie zu
beschreiben, als mit Statistiken. Lebende Sys­teme lassen sich
nicht statisch beschreiben, geis­tiges Heilen oder die Wirkung
von Gebet auch nicht. Statistiken missachten, dass Heilung auch von
der Kommunikation zwischen Arzt und Patient beeinflusst wird. Alles
ist Beziehung, so Jakob Bösch, der Beobachter beeinflusst das, was
er beobachtet – eine objektive Welt gibt es nicht. In allem begegne
der Mensch sich selbst, auch Ärzte bedürfen der Heilung.

Das Buch ist ein Appell des Verfassers
an die Medizin, sich auf Neues, das zugleich alt und zeitlos ist, zu
besinnen: „ganzheitlich“ zu behandeln bedeute, eine andere Sicht
auf den Menschen und die Materie zu entwickeln. Diese Sicht
beschreibt Bösch als einer, der selbst von dem fasziniert ist, was
er sieht. Erstaunliches trägt er zusammen über das, was den
Menschen ausmacht; manches mutet fast magisch an. „Spirituelles
Heilen und Schulmedizin“ ist gespickt mit informativen Geschichten
aus der Welt der Bewusstseinsforschung, die z. B. in China und in der
ehemaligen Sowjetunion faszinierende Ergebnisse zutage gefördert hat
und noch fördert, sowie mit Erkenntnissen aus der Hirnforschung, der
Physik und der Psychiatrie. Doch ist das Buch leicht zu lesen,
aufgrund des flüssigen Stils, selbst da, wo es in Bereiche des
Paranormalen geht.

Jakob
Bösch regt die Leser dazu an, neue Gedanken zu denken: „Gestehen
wir uns ein, dass die Wissenschaft ein nie aufhörender kreativer
Prozess ist.“

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  • Veröffentlicht in: Bücher am 7. Dezember 2009
Franziska Rudnick

Veröffentlicht von

Franziska Rudnick praktiziert seit 1996 Reiki und wurde 2010 in England zur Reiki-Meisterin eingeweiht. Franziska ist Redakteurin des Reiki-Magazins. Ihr Buch "Heilende Begegnung", das 12 unterschiedliche Geistheiler portraitiert, ist 2012 im Windpferd-Verlag erschienen.

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