Theory of Mind

Als Theory of Mind (ToM) lässt sich allgemein die Fähigkeit bezeichnen, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. In der Wissenschaft bezeichnet der Begriff „Theorie“ die Herleitung von bestimmten Gesetzmäßigkeiten aufgrund von Beobachtungen, woraus dann auch weitere Vorhersagen abgeleitet werden können. In der ToM betreffen diese Gesetzmäßigkeiten das mentale und psychische Empfinden unseres Gegenübers bzw. unsere Fähigkeit, dieses adäquat wahrnehmen zu können. Welche Absichten unser Gegenüber verfolgt, wie seine Äußerungen zu verstehen sind (z. B. ironisch, scherzhaft oder auch von großer Ernsthaftigkeit), was wir durch bestimmte Äußerungsformen und Verhaltensweisen selbst bei anderen bewirken – das alles und mehr ist Gegenstand der ToM, die wir im Laufe unseres Lebens ausbilden.

Entwicklung und Störungen der Theory of Mind

Theory of Mind (hier ein PDF von Studenten) lässt sich also einerseits als wissenschaftliche Theorie, andererseits als allgemein menschliche Fähigkeit bezeichnen. ToM als Fähigkeit wird im Kindheitsalter überwiegend durch Beobachtung und Nachahmung erworben; in späteren Jahren treten die Fähigkeiten zur Abstraktion und zur sprachlichen Rekonstruktion hinzu, sodass der Mensch im Laufe seiner Entwicklung immer stärker befähigt sein sollte, die Reaktionen, Gefühle und Verhaltensweisen anderer Menschen nachzuvollziehen, von den eigenen zu unterscheiden und vorherzusagen. Störungen der ToM treten vor allem bei psychischen und autistischen Erkrankungen sowie bei Hirnschädigungen auf.

Theory of Mind und Onlinecomputerspiele

Da ToM die Vorhersagbarkeit von Verhaltensweisen und Handlungen umfasst, lässt sich vermuten, dass eine besonders stark ausgeprägte Fähigkeit auf diesem Gebiet zu manipulativen Zwecken missbraucht werden kann (wie es häufig bei „Wahrsagern“ der Fall ist). Auch bei Onlinecomputerspielen ließe sich diese Fähigkeit zum eigenen Nutzen einsetzen – gerade Browsergames, die in der Basisversion kostenlos sind, für deren zusätzliche Gimmicks aber gezahlt werden muss, bieten sich hier an. Beim Browserspiel Wewaii sind dies beispielsweise die Perlen, die im Shop gekauft werden müssen, um Premiumfunktion nutzen zu können. Somit ist es elementar für Spieleanbieter, genau zu wissen, welche Funktionen für den ROI eines Spiels sorgen können – in ihrem eigenen Interesse.

Dem Letztgenannten widerspricht aber der Umstand, dass die ToM auf die reale Anwesenheit von anderen Menschen angewiesen ist. Zwar können wir auch über am PC generierte Mitteilungen Rückschlüsse auf den mentalen oder psychischen Zustand des Verfassers schließen, doch beruht ToM auf einer stärker differenzierten Wahrnehmung, die auch körperliche Signale wie zum Beispiel Stimmhöhe, Lautstärke, Tonfall, Gestik und Mimik umfasst. In Chats und Mails werden ersatzweise häufig Smileys eingesetzt – diese standardisierten Symbole sind allerdings nur mäßig geeignet, ToM zu ermöglichen.

Begrenzte Wirksamkeit der Theory of Mind bei Onlinespielen

Dennoch lassen sich Spielvarianten von Online-Computerspielen vorstellen, bei denen ToM funktioniert – allerdings nur dann, wenn zwei oder mehre Spielpartner über einen längeren Zeitraum hinweg miteinander spielen. Dabei wird ToM allerdings nur auf der Abstraktionsebene möglich; es können Reaktionshäufigkeiten, Standardverhalten etc. beobachtet und registriert werden; über das tatsächliche Befinden unseres virtuellen Gegenübers erfahren wir so wenig, wie ELIZA, das sprechende Computerprogramm, über ihre Klientel.

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