Die Spieltheorie

schach

Das Anwendungsbiet der Game Theory erstreckt sich, seit John von Neumann im Jahr 1928 für sie die Grundlagen legte, allmählich auf immer mehr Gebiete. Zunächst als Methode zur mathematischen Analyse komplizierter, interaktiver Spielverläufe entwickelt, werden ihre Verfahrensweisen heute vor allem in der Wirtschaftswissenschaft und der Soziologie angewendet. Allein die Wirtschaftwissenschaft hat bereits nicht weniger als acht Nobelpreisträger aufzuweisen, die sich der Spieltheorie bedienen oder sie gar zu ihrer wichtigsten Forschungsmethode gemacht haben.

Die Formeln und Methoden der Game Theory sind vielfältig; ihr Wesen aber wird bereits mit ihrem Namen „Spieltheorie“ ausgedrückt. Es geht tatsächlich um das „Durchspielen“ von Entscheidungsprozessen, an der mehrere „Agenten“ bzw. Akteure beteiligt sind, die darum von mehreren Determinanten bestimmt sind. Dabei kann es um tatsächliche Spiele gehen; tatsächlich begann die Game Theory als mathematische Analyse von Gesellschaftsspielen wie Schach, Mühle usw. Aber in der Game Theory werden nicht nur Spiele im eigentlichen Sinne als „Spiele“ aufgefasst, sondern jede auf sinnvollen, erkennbaren Gesetzen beruhende Abfolge von Handlungen, die zueinander in Wechselbeziehung stehen. Man könnte daher auch von einer Spiele-Dynamik sprechen, wobei der Begriff „Dynamik“ hier in dem Sinne verstanden wird, wie er das Teilgebiet der Physik bezeichnet.
Es geht also um Strategien, und zwar im Krieg wie im Frieden (wobei Letzteres aus natürlichen Gründen zum Glück überwiegt). Die Politik und die Wirtschaft sind, wie bereits erwähnt, die hauptsächlichen Nutzer der spieltheoretischen Formeln.

Daraus erhellt, dass es hier nicht mehr um „harmlose“ Spiele, um die Betätigungen des homo ludens geht, sondern um ernste Dinge, um die Konkurrenzkämpfe in der Wirtschaft zum Beispiel, um Markt-Strategien und ihrer Auswirkungen auf die Wachstumsdynamik der Kontrahenten. Hierbei unterscheiden wir übrigens eine kooperative und eine nicht-kooperative Spieltheorie. Für die Beschreibung der Handlungs-Verlaufsfolgen hat sich innerhalb der Spieltthorie ein umfangreiches Begriffs-Instrumentarium entwickelt, auf das hier im Einzelnen nicht eingegangen werden kann.

Das Rollenspiel als praktische Form der Game Theory

In Kursen und Seminaren wird meist mit einer praktischen Form der Game Theory gearbeitet, dem sogenannten Rollenspiel, wobei die Analysanden meist dazu aufgefordert werden, das Verhalten der Kontrahenten entweder zu prognostizieren oder, nachdem diese ihre „Spielzüge“ gemacht haben, zu analysieren und zu kritisieren.
Meist verspricht sich der Seminarteilnehmer davon einen Vorteil im innerbetrieblichen – oder ganz allgemein im zwischenmenschlichen – Konkurrenzverhalten. Er möchte von der Theorie zur Praxis, von der Psychologie zu einer Anleitung zum „cleveren“ Handeln kommen. Versprochen wird eine Minimierung des Glücks- oder Zufalls-Moments zugunsten einer rational begründeten Voraussage des eigenen nächsten „Spielzugs“ oder dem des Gegners. Das Zauberwort heißt „Lösungskonzepte“.

Aber dieses Ziel spricht nur den rationalen Teil des menschlichen Gehirns an. Schwieriger – und reizvoller – wird es bei den irrationalen Handlungsmotiven.
Die Spieltheorie hieße wohl nicht (mehr) so, wenn ihr nicht immer noch ein spielerisches, ja oft glücks-spielerisches Moment innewohnte, denn ein Rest von Irrationalem wird jeder menschlichen Handlungsweise verbleiben – wobei die Game Theory auch diese irrationalen Entscheidungsgründe in ihre Analysen einbezieht.

Die Spannweite reicht hier von extensiver, das heißt nahezu vollständiger Information, und kann hinabsinken bis zur Nullgrenze, zur totalen Unvorhersehbarkeit, etwa beim reinen Glücks- oder Würfelspiel. Wie kommt es, dass nun gerade die Spiele mit dem höchsten Anteil an unbekannten Faktoren auf uns einen so hohen Reiz ausüben? Warum gibt es so viel irrationales Handeln? Warum vertrauen wir immer wieder gern auf „unser“ Glück (das ja, objektiv, gar nicht uns gehört)?

Glück und Gewinn

Wir sind eben nicht nur Spiel-Theoretiker, sondern tatsächlich auch Spieler. Je höher der Anteil an Unbekanntem, desto größer der Reizfaktor im Gehirn. Wäre dem nicht so, gäbe es keine Innovation und alles bliebe stets in eingefahrenen Gleisen. Wir spielen aber gern, und lassen die Spielthorie beiseite. Wir spielen entgegen aller mathematischen Wahrscheinlichkeit im Lotto oder Toto. Wir füllen um einer kleinen Gewinnchance willen Preisrätsel aus. Dabei hoffen wir auf das „Glück“, das heißt: einen ohne Anstrengung erworbenen Vorteil, einen Gewinn ohne echten Einsatz, und dürfen uns, wenn es denn einmal klappt, als Bevorzugte des Schicksals, als „Glückspilze“ fühlen.
Mit diesem „Glückspilz“-Gefühl spielt übrigens nicht nur die Lottogesellschaft, sondern auch der Verteiler von Rabattgutscheinen. Eer verspricht uns ebenfalls einen Wert ohne Gegenwert, wobei er natürlich nicht primär die Absicht hegt, uns zu beschenken, sondern unsere Aufmerksamkeit auf sein Produkt lenken will.

Dennoch, wir fühlen uns im Besitz eines „Schnäppchens“, und darum werden wir unserem vom Verteiler vorausberechneten Egoismus folgen und unser „Vermögen“ auf Kosten des seinen (so sehen wir es jedenfalls tiefinnerlich) vergrößern. Auch dieses Verhalten ist natürlich in die Spieltheorie, zu deren Instrumentarium ja auch die Psychologie und die Anthropologie gehören, eingeflossen und wird als Handlungs-Komponente in Rechnung gestellt.

Der Mensch ist ein Spieler, und der Spieler gewinnt gern. Er wird den Lockdüften der Beute folgen und dabei gelegentlich in die Falle geschickten Marketings gehen. Um den Erfolg von Gutschein-Aktionen vorher zu bestimmen wäre hier das Gesetz der Proportion von Reiz und Trägheit zu suchen, das heißt, wie groß muss – etwa bei einem Gutschein – der Reiz bzw. Wert sein, um den Adressaten zu bewegen ihn abzuschicken.

Ich weiß nicht, ob hier bereits geforscht wurde oder ob sich ein neues Teilgebiet des Wissens abzeichnet. Vielleicht, wer weiß, für den nächsten Nobelpreisträger.

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