Philosophie und Religion

Zwischen der Philosophie und Religion gibt es Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten

Der hohe Stellenwert von Religion und Philosophie ist in Deutschland institutionell verankert. Dies zeigt sich unter anderem an den zahlreichen Lehrbetrieben der Hochschulen (Stichwort: „Philosophische Fakultät“) oder auch in Gestalt der Körperschaften des öffentlichen Rechts, zu denen zum Beispiel die Einrichtungen mit katholischem Glaubensfokus gerechnet werden müssen (Kindergärten, Kliniken, Klöster). Um ein nicht bekennendes Studium der Theologie in der BRD zu ermöglichen, wurde an einigen Universitäten die akademische Disziplin der Religionswissenschaften eingeführt, welche nicht der kirchlichen Autorität untersteht. Der methodische Austausch innerhalb der drei Fächer Theologie, Philosophie und Religionswissenschaften findet jedoch rege statt.

Unterschiede

Zwischen der Philosophie und Religion gibt es Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten

Da die Philosophie „Die Liebe zur Weisheit“ repräsentiert, liegt hier ein Akzent der Betrachtung auf den so genannten Grundsätzen der Logik. In aufwendigen Essays werden induktive und deduktive Schlussfolgerungsmodelle erklärt, Prinzipien des Syllogismus exemplifiziert und Analogien herausgefiltert, um eine bestimmte Weltanschauung zu begründen. Diese Arbeitsweise wird in der deutschen Religionslehre mehr oder minder vernachlässigt und zwar zugunsten einer Analyse des erzählerischen Handlungsgefüges der biblischen Zeugenberichte. Dem fügt sich darüber hinaus noch hinzu, dass das philosophische Studium einen Schwerpunkt auf die Erkenntnisse und die Literatur des „alten Griechenland“ legt, während die neutestamentarischen Religionen auch den hebräischen, den ägyptischen und den babylonischen Kulturkreis in ihre Forschungen mit einbeziehen.

Schnittmengen

Wie eng Philosophie und Religion in Deutschland miteinander verflochten sind, manifestiert sich in einer jahrhundertealten Denkertradition von Personen sowohl männlichen als auch weiblichen Geschlechts. Die mystischen Einsichten der Benediktinerin Hildegard von Bingen im Mittelalter werden vom Aufklärer Immanuel Kant in seiner Transzendentalphilosophie wieder aufgegriffen und die ultimative Clash-Kollision der beiden Konkurrenzideologien kulminiert in dem Ausspruch Friedrich Nietzsches: „Gott ist tot“. Die Religionsphilosophie als Zwitterform der beiden Arbeitsgebiete ist bemüht in einer sachlichen Manier den Phänomenen des Göttlichen auf den Grund zu gehen. Nicht selten äußert sie sich dabei kritisch, darf aber nicht als per se religionsfeindlich betrachtet werden. Mittlerweile ist es zudem in Deutschland gang und gäbe, dass Philosophen in den Medien über konfessionelle Fragestellungen parlieren: In diesem Zusammenhang sei die ZDF-Diskussionsrunde „Vom Nutzen und Nachteil der Religion“ (ausgestrahlt am: 28.11.2004) mit Peter Sloterdijk als Moderator erwähnt. Dass jedoch Philosophen wie im angloamerikanischen Raum eine Lebensberatung anbieten und somit seelsorgerische Arbeit wie die kirchlichen Würdenträger leisten, hat sich in Deutschland bis heute nicht durchgesetzt.

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