Wege der Ganzwerdung

Lisa Freund: Das Unverwundbare

Lisa Freund Das Unverwundbare

O.W. Barth, 2011, 316 Seiten, 19,99 €

Alles im Leben verändert sich. Manchmal kann dieser Wandel eine Grenzerfahrung werden, eine schwere Krise im Leben, denn zwischen dem Alten, das vergeht, und dem Neuen, das kommt, liegen große emotionale Herausforderungen wie Abschied, Trennung, Verlust. Jemand bekommt die Diagnose, unheilbar erkrankt zu sein. Ein Vater quält sich mit Selbstvorwürfen und gibt sich die Schuld am Unfalltod seines Sohnes.

 

Wieder jemand leidet an chronischen körperlichen und seelischen Schmerzen. Und nicht zuletzt gibt es zerstörerische Einstellungen wie Perfektionismus, Schuldgefühle und Selbstverurteilungen.

„Wege der Heilung in Lebenskrisen“ verspricht nun ein neues Buch. Die Autorin Lisa Freund ist seit mehr als zwanzig Jahren praktizierende Buddhistin, als Schülerin von Sogyal Rinpoche, der „Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben“ veröffentlicht hat. Lisa Freund arbeitet seit Jahrzehnten ehrenamtlich in der Hospizbewegung und hat viele Menschen auf deren letztem Weg begleitet. Im Laufe der Zeit hat sie ein Seminarprogramm entwickelt, das sie in Deutsch­land und Österreich unterrichtet. Die Früchte aus ihrer reichen Erfahrung stellt Lisa Freund jetzt in ihrem Buch „Das Unverwundbare“ vor.

Nach Gewissheit klingt dieser Begriff, nach etwas Unvergänglichem, das möglicherweise in einem Menschen selbst liegen könnte, wie eine verborgene Quelle. Und tatsächlich geht es in diesem Buch um Quellen: um das, was an Kraftquellen in einem Menschen verborgen sein kann, die es zu finden gilt, sowie um Kraftquellen außerhalb. Und es gibt eine dritte Art: „spirituelle Kraftquellen“ nennt sie die Autorin. Denn es gehe letztlich darum zu lernen, mit dem steten Wandel im Leben umgehen zu können, ohne zu sehr aus dem inneren Gleichgewicht geworfen zu werden. Darum, Gelassenheit zu erlangen. Diese kann gewonnen werden aus der „Erfahrung der unsterblichen Natur des Geistes“, wie die Autorin es benennt.

Für diesen Prozess verwendet Lisa Freund zu Beginn des Buches einen bekannten Mythos aus der europäischen, nämlich altgriechischen Welt: die Geschichte von Persephone, die vom Totengott Hades in die Unterwelt entführt und dort festgehalten wird. Demeter, die Mutter der Persephone, irrt verzweifelt umher, ihre Tochter suchend, und vernachlässigt alle ihre Aufgaben. Das Leben auf der Erde verdorrt. Den Mythos von Hades und Persephone verwendet die Autorin, um extreme Erfahrungen und daraus resultierende Einstellungen aufzuzeigen, aber auch, wie diese geheilt werden können. Sie arbeitet dabei mit dem Bild eines Flusses.

Von der Götterwelt der alten Griechen zu Buddha, von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu praktischer Meditation spannt Lisa Freund den Bogen in ihrem bemerkenswerten Buch. Die Autorin verleugnet nicht, dass ihre Kraftquelle im Buddhismus und dessen Betonung der Achtsamkeit liegt. „Die Vergänglichkeit ist ein Abenteuer,“ schreibt sie, „das den Fluss des unsterblichen Bewusstseinsstroms offenbart. Dieser Strom existiert im Leben und im Sterben und nach dem Tod.“ Dabei berichtet sie auch von einer eigenen Erfahrung und wie dieser Strom sie in einer Extremsituation getragen hat.

Empathisch, sensibel und behutsam beschreibt die Autorin, wie der Wandel im Leben eines Menschen sich auswirken kann, dass es keine Sicherheit gibt, und wie man mit diesen Grenzsituationen umgehen kann. Die Sprache, obwohl auch Dinge wie Schuld, Sterben und Tod thematisiert werden, wird niemals hart und konfrontativ oder anklagend, sondern bleibt stets voller Wärme und Mitgefühl.

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Grundlegend bei allem, was Lisa Freund schreibt, ist die buddhistische Sicht auf den Menschen, die davon ausgeht, dass seine innerste Natur vollkommen ist. Ganz anders als das, was in den christlichen Kirchen immer noch gelehrt wird – nämlich, dass der Mensch sündig und daher schlecht sei. Die Besinnung auf die ursprüngliche Vollkommenheit hilft bei Lebenskrisen, etwa, wenn man sich fragt, ob man schuld sei am Tod eines geliebten Menschen. Die Geschichte eines Vaters wird erzählt, der sich mit Selbstvorwürfen quälte, weil er seinen Sohn nicht von der Schule abgeholt hat, sondern ihn mit dem Schulbus fahren ließ – der dann verunglückte. Lisa Freund erzählt, wie sie dem Mann zu helfen suchte. Dabei weist sie darauf hin, dass wir das vielfältige Geflecht der Verbindungen nicht durchschauen, in dem wir leben, wir wissen nicht, welche Verkettung von Umständen zu diesem Ereignis geführt habe. Auch wissen wir nicht, welche Rolle das Karma aller an diesem Vorfall betreffenden Personen spielt. Kurz: was man tun kann ist, aus dem Herzen zu leben, sich der Vergänglichkeit voll bewusst zu sein, ohne darüber depressiv zu werden; achtsam zu leben und den gegenwärtigen Augenblick bewusst auszuschöpfen.

Zahlreiche Meditationen und Visualisierungs­übungen helfen dabei, diese Haltung zu erspüren und zu trainieren. Dem Buch ist eine CD beigelegt, von der Autorin selbst besprochen. Nicht ­alle im Buch beschriebenen Meditationen sind darin enthalten, wohl aber die wichtigsten, die helfen, die innere Mitte zu finden, den Ort der ­eigenen Kraftquelle. Gedanken wie Wolken am Himmel davon ziehen zu lassen oder dem Atem nachzuspüren – solche Übungen helfen, der Tatsache gewahr werden zu können, dass in einem selbst ein Ort großer Ruhe liegt.

Ein Literaturverzeichnis und ein Verzeichnis wichtiger Adressen und Anlaufstellen zu allen im Buch behandelten Themen, lebensbedrohliche und das Gewohnte zutiefst erschütternde Krankheiten bzw. Diagnosen betreffend, runden dieses hervorragende Buch ab.

 

Einschätzung der Reiki Magazin Redaktion: Sehr lesenswert!

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Franziska Rudnick

Veröffentlicht von

Franziska Rudnick praktiziert seit 1996 Reiki und wurde 2010 in England zur Reiki-Meisterin eingeweiht. Franziska ist Redakteurin des Reiki-Magazins. Ihr Buch "Heilende Begegnung", das 12 unterschiedliche Geistheiler portraitiert, ist 2012 im Windpferd-Verlag erschienen.

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