Larry Dossey: Heilungsfelder

Larry Dossey Heilungsfelder

Crotona, 380 Seiten, 19,95 €

Wenn ein Mediziner sich mit Gebeten und Religionen befasst, hat das handfeste Gründe – und kann überraschende Auswirkungen haben. Ein solches Ergebnis legt der US-amerikanische Internist Larry Dossey mit seinem Buch „Heilungsfelder“ vor.

Larry Dossey, Internist und Bewusstseinsforscher, gilt in den USA als „Pionier der neuen Medizin“. Er untersuchte einst den Einfluss, den Gebete auf die Genesungsprozesse von Patienten haben, sowie Studien darüber, und kam auf diesem Wege zu weiteren, faszinierenden Überlegungen. Auslöser dafür war ein Schlüsselerlebnis, das ihn auf eine „klaffende Lücke“ in der modernen Medizin hinwies: „der menschliche Geist und seine Rolle beim Heilen“ würden übersehen. So versucht er, eine Brücke zu bauen zwischen der wissenschaftlich ausgerichteten und der spirituell orientierten Art, die Welt zu sehen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Gebet oder das, was er neutral „Intention“ nennt. Zudem eröffnet er dem Leser in seinen Darstellungen und Überlegungen eine Fülle an Möglichkeiten, über den Tellerrand zu schauen.

Dosseys Überlegungen und Gedanken wurden zunächst gesondert als Aufsätze in einer Fachzeitschrift veröffentlicht, ehe sie zu einem Buch zusammengefasst wurden. 2012 erschien dieses auf Deutsch, unter dem Titel „Heilungsfelder. Wenn die Seele den Körper heilt“, ergänzt um den Zusatz: „Psychoneuroimmunologie“.

Der deutsche Titel mag etwas irreführend klingen, weil er vielleicht zu der Annahme verleitet, es würden morphogenetische, physikalische Felder oder feldähnliche Wirkungen in Bezug auf Heilungsprozesse beschrieben; das Attribut „Psychoneuroimmunologie“ lässt zusätzlich annehmen, im Buch seien konkrete Hilfestellungen oder Hinweise genannt, wie der Körper und seine Systeme ins Lot kommen könnten. Das ist nicht unbedingt der Fall. Dafür aber ist die Lektüre überraschend. Trotz der Gliederung des Buches in drei Bereiche – Sinn, Geist und Nichtlokalität – stellt sich heraus, dass die Texte nicht hintereinander weggelesen werden können, sondern man sich am besten mit einem offenen Geist auf sie einlässt. Und mit der Bereitschaft, dabei spielerisch vorzugehen. Denn die Lektüre wirkt am intensivsten, zumindest erging es mir so, wenn man sie „nicht-linear“ wahrnimmt. Das passt denn auch zu einem durchgängig vom Verfasser verfolgten Gedanken, dem der Nicht-Lokalität des Geistes.

Es locken Ausflüge in die Gedankenwelt von berühmten Quantenphysikern wie Werner Heisenberg, von Psychologen wie Carl Gustav Jung und in die schamanische Welt der indigenen Kulturen Nordamerikas. Man lernt sogar etwas über die Kunst des Angelns. Hier geht es eben nicht darum, auf Gedeih und Verderb einen Fisch zu fangen; versierten Anglern dürfte dies nicht wirklich neu sein. Auch die Entstehung von Traumata sowie posttraumatischen Belastungsstörungen wird ausführlich beschrieben, sowie deren mögliche Auflösung kurz gestreift – ein Gebiet, in dem Larry Dossey sich aus eigener Erfahrung auskennt: Er war seinerzeit im Vietnam-Krieg eingesetzt, als Mediziner an der Front. Seine Erlebnisse beschreibt er ungeschminkt.

Larry Dossey weist durchgängig darauf hin, dass nicht allein der Intellekt in der Lage ist, Probleme zu lösen. Es gibt auch andere Zugänge zu Lösungen. Die aber wollen (wieder) entdeckt, kennengelernt und ausprobiert werden. Humor gehört dazu, und mit diesem die heilende Kraft, die dem Lachen innewohnen kann. Ferner geht es um schamanische Wirklichkeiten und Wunder. All das kann verwirrend sein, weil es sich nicht machen oder kontrollieren lässt: „Vernunft, um zur vollen Blüte zu gelangen“, so schreibt Dossey, muss „durch Unvernunft ergänzt werden.“ Dies scheint mir ein Leitmotiv seines Buches zu sein. Was er mit dieser provozierend klingenden Aussage meint, wird aus der Lektüre klar.

Die Gedanken des Autors empfinde ich häufig als assoziativ: Erinnerungen und Reflexionen sind miteinander verwoben, darin eingewoben sind auch Forschungsergebnisse, gewissermaßen „harte Fakten“. Doch auch Träume spielen eine große Rolle in diesem faszinierenden Buch, ob es nun die Träume Larry Dosseys sind oder die anderer, etwa Musiker oder Chemiker, über die er erzählt. Überhaupt das Bewusstsein: mir kommt es vor, als liebe, ja genieße Larry Dossey es, von Bewusstseinszuständen zu erzählen, die im Alltag keine große Rolle zu spielen scheinen. Der Verfasser schreibt weniger über Zustände, in denen das sogenannte Alltagsbewusstsein eine Rolle spielt, welches logisch, linear und kalkulierend funktioniert. Andere Zustände sind ihm wichtiger, etwa die Phasen des Übergangs zwischen Wachen und Schlaf, das Tagträumen oder gar die tiefe Versenkung, die Musiker erfahren können, in der sie sich eins mit dem Komponisten fühlen, dessen Werke sie gerade einstudieren oder spielen. Larry Dossey beschreibt Weisen, in denen das Gehirn anders als sonst genutzt wird.

Und: Er hat auch seine eigene Sicht von Geist sowie dem Gehirn und dessen Aufgaben, zitiert dafür auch Kronzeugen. Es wird deutlich, dass es nicht die eine, allein wirksame Methode gibt, durch die der Geist für Heilungsprozesse zur Wirkung gebracht werden kann, sondern viele.

Einschätzung der Redaktion des Reiki Magazin: Inspirierend & fachlich überzeugend!
Heilungsfelder: Wenn die Seele den Körper heilt – Psychoneuroimmunologie

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Franziska Rudnick

Veröffentlicht von

Franziska Rudnick praktiziert seit 1996 Reiki und wurde 2010 in England zur Reiki-Meisterin eingeweiht. Franziska ist Redakteurin des Reiki-Magazins. Ihr Buch "Heilende Begegnung", das 12 unterschiedliche Geistheiler portraitiert, ist 2012 im Windpferd-Verlag erschienen.

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