Osteopathie

Grundlagen und Definition der Osteopathie

Die Osteopathie setzt sich aus den griechischen Wörtern „osteon“ für Knochen und „pathos“ für Leiden oder Krankheit zusammen. Sie beschäftigt sich mit den Krankheiten und Problemen des menschlichen Bewegungsapparates. Dabei behandelt sie jedoch nicht ausschließlich das menschliche Skelett, sondern betrachtet das Leiden in einem ganzheitlichen Aspekt und bezieht den Geist, die Seele und den körperlichen Gesamtzustand des Patienten mit ein. Der Osteopath versucht mit seiner Arbeit die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und somit eine Schmerzlinderung oder Heilung einzuleiten.

Geschichte

Die Geschichte der Osteopathie begann mit der anfänglichen Methode des Bone-Setting im 17. Jahrhundert in Europa. Damit wurden Gelenke und Knochen geheilt, was diese so genannte Kunst zu einem Teilgebiet der Chirurgie machte.
Als eigentlicher Begründer der Osteopathie gilt der Amerikaner Andrew Taylor Still, der von 1828 bis 1917 lebte. Er war auch an anderen wissenschaftlichen Theorien und Thesen interessiert und schaffte es den Grundstein des Erfolges in den vereinigten Staaten zu legen. Danach verbreitete sich die Osteopathie auch in Europa, angefangen in England. Durch den Pastor Gustav Zimmer kam die Osteopathie wahrscheinlich Anfang der 20. Jahrhunderts nach Deutschland.
Heutzutage wird sie an vielen privaten Schulen unterrichtet. Die Berufsverbände bemühen sich die Ausbildung so einheitlich wie möglich zu gestalten.

Behandlung

Der Osteopath behandelt seine Patienten vorwiegend mit den Händen. Er tastet den Körper nach Spannungen, Verrenkungen und Fehlstellungen ab und versucht diese zu lösen. Dabei massiert und streicht er über die entsprechende Stelle und lockert somit das Gewebe. Um die Behandlung risikofrei und ohne weitere Schädigung durchführen zu können, ist eine umfassende ärztliche Untersuchung des Patienten für den Osteopathen sehr wichtig.
Die Osteopathie kann bei vielerlei Beschwerden der Muskulatur und des Knochenbaus helfen. Zu den Aufgabengebieten zählen das Skelett, die Muskulatur, das Bindegewebe, die Gelenke und die inneren Organe. Typische Anwendungsgebiete sind Rückenleiden, Menstruationsbeschwerden oder Magen-Darm-Probleme.

Rechtslage

Die Osteopathie gehört zur Heilkunde und ist somit ein Naturheilverfahren, welches nur von Heilpraktikern oder Ärzten ausgeführt werden darf. Zwar kann sich jeder einer Osteopathie-Ausbildung unterziehen, jedoch darf dieser das Wissen nur anwenden, wenn er Heilpraktiker oder Arzt ist.
Außer in Hessen ist die Berufsbezeichnung „Osteopath“ in Deutschland nicht zulässig und anerkannt. Die Bezeichnung und die Verwendung des Begriffes ist im Heilpraktikergesetz festgelegt. In diesem Zusammenhang versteht sich die Osteopathie als Zusatzqualifikation und Therapieform für Heilpraktiker. In den USA ist die Osteopathie ein eigenständiges Berufsfeld und sie wird an entsprechenden Schulen oder Universitäten studiert.

Grundlagen der Osteopathie

Was bei der osteopathischen Behandlung passiert

Wurde die Anamnese von einem Facharzt durchgeführt, so erfolgt die Diagnose durch den Osteopathen. Hierbei arbeitet er ausschließlich mit den Händen und tastet das Gewebe ab, um Einschränkungen in der Beweglichkeit und auch Spannungen aufzuspüren. Anschließend wird der Patient einer Therapie unterzogen, die sich an seinen individuellen Bedürfnissen orientiert. Die Behandlungsdauer beträgt im Durchschnitt etwa 45 bis 60 Minuten. Die Folgen der Therapie sind für den Körper unter Umständen noch nach zwei bis drei Wochen spürbar. Je nach Einzelfall tritt die Wirkung der Behandlung früher oder später ein. In der Regel ist jedoch eine kontinuierliche Verbesserung zu erwarten.

Die Definition der Osteopathie

Die Osteopathie, beziehungsweise die Manualtherapie oder die Chiropraktik beruht auf verschiedenen Grundprinzipien. So wird der menschliche und tierische Organismus als eine untrennbare Einheit verstanden. Das heißt, dass unser Körper aus verschiedenen Strukturen besteht, die allesamt mit- und untereinander verwoben sind und daher ein zusammenhängendes Ganzes bilden. Der osteopathischen Lehre entsprechend wird der Zusammenhang durch die so genannten Faszien hergestellt. Das sind dünne Bindegewebshüllen, die die einzelnen Strukturen umgeben. Sämtliche Faszien zusammengefasst bilden wiederum die große Körperfaszie. Während die Schulmedizin den Faszien kaum Bedeutung beimisst, werden sie in der Osteopathie als sehr wichtig angesehen. Durch die Tatsache des Zusammenhängens der Faszien ist auch erklärbar, weshalb Störungen an einer bestimmten Körperstelle in einem völlig anderen Bereich des Körpers Beschwerden verursachen können.

Die Struktur und die Funktion in der Osteopathie

Der osteopathischen Lehre gemäß besteht der menschliche Körper aus verschiedenen Strukturen, zum Beispiel aus Organen, Muskeln, Knochen, Knorpeln und Sehnen. Es liegt diesbezüglich die Erkenntnis zugrunde, dass ein Mehr an Funktion auch ein Mehr an Struktur zur Folge hat. Das lässt sich zum Beispiel daran verdeutlichen, dass unsere Muskeln bei vermehrter körperlicher Betätigung wachsen und bei längerer Ruhe schrumpfen. Der Osteopath sieht es als eine seiner Hauptaufgaben, die Bewegungsfähigkeit zu überprüfen und daraus zu schlussfolgern. Bei einer Funktionsstörung ist demnach auch die Bewegung der Struktur beeinträchtigt. Der Chiropraktiker trägt durch die Behandlung dazu bei, dass die Bewegungsfähigkeit der Struktur wieder hergestellt wird. Durch die Herstellung der Funktionstüchtigkeit der Struktur wird des Weiteren auch die Selbstheilung des Körpers gefördert, da diese in ihrer lebenserhaltenden Tätigkeit nicht mehr eingeschränkt ist.

Entwicklung der Osteopathie

Das Bone-Setting als Ursprung der Osteopathie

Bereits im frühen 17. Jahrhundert hatte man sich in Europa zumindest ansatzweise mit der Osteopathie beschäftigt. So verstand man unter dem damals verwendeten Begriff Bone-Setting die Kunst des Einrichtens von Gelenken und Knochen. Das Bone-Setting wurde daher auch häufig bei Gelenkfehlstellungen eingesetzt. Da zu dieser Zeit noch keine Röntgen- und Ultraschallgeräte zur Verfügung standen, musst man sich ausschließlich auf den klinischen Befund verlassen. Diesbezüglich hatten sich die klinischen Behandlungs- und Untersuchungsmethoden dahingehend weiterentwickelt, dass man im Laufe der Zeit immer mehr über die funktionelle Anatomie bezüglich der Bänder, der Muskulatur und der Knochen Bescheid wusste. Bereits damals betrachtete man das Bone-Setting als Alternative zur Schulmedizin und beschränkte sich schon sehr bald nicht mehr nur auf die Behandlung von Gliederverrenkungen und Knochenbrüchen, sondern linderte durch bestimmte Handgrifftechniken Gelenks- und Wirbelsäulenschmerzen.

Die Methode des Andrew Taylor Still

Andrew Taylor Still war ein US-Amerikaner, der von 1828 bis 1917 lebte und als Begründer der heutigen Osteopathie gilt. Vermutlich war Andrew Taylor Still ein Bone-Setter. Im Jahr 1874 stellte er die Osteopathie jedoch als eine neue wissenschaftliche Errungenschaft der Öffentlichkeit vor, ohne jedoch auf das Bone-Setting Bezug zu nehmen.
Als dann der schottische Mediziner John Martin Littlejohn das von Tayler vorgestellte Konzept auf die Physiologie bezog, wurde die wissenschaftliche Anerkennung der Osteopathie gefördert. Littlejohn war es schließlich auch, der im Jahr 1917 in London die „British School of Osteopathy“ gründete.

Die Entwicklung der Osteopathie durch frühe Pioniere

Die von Andrew Taylor Still ins Leben gerufene Osteopathie, die heute auch unter den Begriffen Chiropraktik, Chiromedizin, manuelle Medizin und Manualtherapie bekannt ist, wurde schließlich von seinem früheren Studenten William Garner Sutherland erweitert. Diesbezüglich wurde der Einflussbereich auf den Schädel ausgeweitet und somit die Craniosacrale Osteopathie ins Leben gerufen. Später wurde die Craniosacrale Osteopathie als eigener Zweig von dem US-Amerikaner John Upledger ausgekoppelt und seitdem als Kraniosakrale Therapie bezeichnet.
Im Jahr 1887 gründete man in den USA die Ausbildungsstätte „Palmer Cure & Infirmary“. Im Jahr 1898 wurde die Schule in „Palmer School and Infirmary of Chiropractic“ umbenannt. Dort wurden die osteopathischen Handgriffe in einer veränderten Form gelehrt, wobei der ganzheitliche Grundgedanke Stills in Vergessenheit geriet. Die Chiropraktik beschränkte sich auf das symptomorientierte Behandeln diverser Krankheiten und Leiden.

Osteopathie in Deutschland

Die Anfänge der Osteopathie in Europa

Großbritannien war das erste Land, das mit der Osteopathie nach US-amerikanischem Vorbild in Berührung kam. Die Osteopathie wurde diesbezüglich vor allem in England sehr stark von den Ärzten Alan Stoddard und John Martin Littlejohn geprägt. Allerdings wurde auch hier der ganzheitliche Aspekt mehr oder weniger außen vor gelassen. Die Behandlung beschränkte sich in erster Linie auf die Symptomatik.

Die Entwicklung der Osteopathie in Deutschland

Die Deutschen kamen vermutlich das erste Mal mit dem Begriff der Osteopathie im Jahr 1927 in Berührung. Nachdem der im schlesischen Krachen geborene Pastor Gustav A. Zimmer aus den USA in seine Heimat zurückkehrte, gründete er in Dresden eine Lehrstätte für Chiropraktik, die er „Chiropractic College“ nannte. Während der nationalsozialistischen Ära wurde die Tätigkeit Zimmers stark eingeschränkt, da ihm teilweise die Anerkennung verweigert wurde.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Geschichte und Entwicklung der Osteopathie in Deutschland ihren weiteren Verlauf. Der Nürnberger Heilpraktiker Willi Schmidt nahm von 1951 an die Fachfortbildung in Chiropraktik wieder auf und wurde acht Jahre später Leiter der Arbeitsgemeinschaft für Chiropraktik und Osteopathie in der DH, die Arbeitskreise in sämtlichen Landesverbänden bildete. Außerdem fand jedes Jahr ein zentraler Fachfortbildungskongress in Bad Homburg statt. Von 1959 bis 1971 erschienen darüber hinaus über neunzig Ausgaben der Fachzeitschrift „Fortbildungsblätter der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Chiropraktoren und Osteopathen in der DH“.

Die Osteopathie heutzutage

Insbesondere ab den 50er Jahren erfuhr die Osteopathie in Deutschland eine erfreuliche Entwicklung. Die Ärzte und Heilpraktiker standen hierfür unter anderem mit den amerikanischen Kollegen in einem regen Austausch. Die manuelle Medizin wurde seither sehr viel stärker genutzt. Vor allem seit den 80er Jahren befindet sich die Osteopathie im Aufschwung. In dieser Zeit entstanden in Deutschland viele Osteopathieschulen, die oft von Belgien und Frankreich aus geleitet wurden. An diesen Schulen wurden in erster Linie Ärzte, Physiotherapeuten, Masseure, medizinische Bademeister und Heilpraktiker ausgebildet, die die Osteopathie in vielen Fällen berufsbegleitend betreiben.
Heute ist die Osteopathie als Heilkunde im Heilpraktikergesetz anerkannt. Sie darf demnach ausschließlich durch Heilpraktiker und Ärzte angewandt werden. Der im Jahr 1994 in Wiesbaden gegründete Verband der Osteopathen Deutschland, kurz VOD, setzt sich für die Anerkennung der Osteopathie als eigenständiges Berufsbild ein. Mit Ausnahme des Bundeslandes Hessen existiert in Deutschland keine staatliche Regelung der Ausbildung.

Behandlung und Wirksamkeit

Die Behandlung bei der Osteopathie

Nachdem die Vorgeschichte der betreffenden Krankheit analysiert wurde, erfolgt die Diagnose und im Anschluss daran die Therapie. Sowohl die Diagnose als auch die Therapie werden ausschließlich per Hand getätigt. Diesbezüglich ertastet der Osteopath das menschliche Gewebe. Dadurch besteht die Möglichkeit, Spannungen und Bewegungseinschränkungen zu erkennen und diese anschließend mit der geeigneten osteopathischen Technik zu behandeln.

Die Möglichkeiten der Osteopathie

Die Osteopathie, beziehungsweise die Chiropraktik oder die manuelle Medizin, bietet eine Ergänzung zur herkömmlichen Schulmedizin und kann andere Therapien sinnvoll unterstützen, beispielsweise die Psychotherapie, die Physiotherapie, die Zahnheilkunde, die neurophysiologische Entwicklungsförderung insbesondere von Kindern, die Kieferorthopädie und die Homöopathie. Andererseits ist die Osteopathie eine eigenständige Therapieform.
Mit Hilfe der Osteopathie wird an und für sich nicht ein bestimmtes Symptom oder eine Krankheit im herkömmlichen Sinn bekämpft, sondern eine krankheitsmachende Blockade oder Funktionsstörung behoben. Diesbezüglich agiert die Osteopathie an der Wurzel des Übels und regt die Selbstheilungskräfte an. Durch die Chiropraktik wird das bei Krankheit gestörte Zusammenspiel der verschiedenen Organ- und Körpersysteme wieder geordnet. Diesbezüglich ist die Osteopathie ganzheitlich ausgerichtet.

Die Anwendungsgebiete der Osteopathie

Die Osteopathie findet bei vielerlei Leiden Anwendung, zum Beispiel bei Problemen mit dem Bewegungsapparat, bei Rücken- und Gelenkschmerzen, bei Verstauchungen, Ischialgie und auch bei Schleudertraumen. Des Weiteren werden im internistischen Bereich Sodbrennen, Organsenkungen, Verdauungsstörungen, Mittelohrentzündungen, Operationsschäden und funktionelle Herzbeschwerden behandelt. Des Weiteren ist die Osteopathie auch bei Migräne, Kopfschmerzen, Nasennebenhöhlenentzündungen, chronischen Mittelohrentzündungen, bei Schwindel, Kiefergelenksproblemen, Tinnitus und Mandelentzündungen erfolgversprechend. Weiterhin wird die Chiropraktik auch bei Menstruationsbeschwerden, Beschwerden in den Wechseljahren, in der Schwangerschaft, vor und nach der Geburt sowie bei unerfülltem Kinderwunsch eingesetzt. Außerdem wird die Osteopathie auch bei Kindern angewandt, zum Beispiel bei einem Schiefhals, beim Kiss-Syndrom, bei einer Hüftdysplasie, bei Entwicklungsverzögerungen, Konzentrations- und Lernstörungen, bei Hyperaktivität, geburtsbedingten Gesichts- und Schädelverformungen und bei anderen Behinderungen. Darüber hinaus kann die Osteopathie auch bei Gürtelrose, Neurodermitis und anderen Hauterkrankungen helfen.

Die Osteopathie als ergänzende Therapie

Die Osteopathie ist dazu in der Lage, sehr viele Leiden zu lindern. Dennoch gibt es auch sehr viele ernsthafte Erkrankungen, die durch die Osteopathie alleine nicht geheilt werden können. Dazu gehören zum Beispiel Tumore und akute Notfallsituationen. Allerdings kann die manuelle Medizin dazu beitragen, dass es den Patienten wesentlich besser geht. Somit kommt die Osteopathie unter anderem auch intensivmedizinisch versorgten Patienten zugute.

Osteopathie bei chronischem Schmerzsyndrom der Wirbelsäule

Schmerzfrei dank Osteopathie

Das chronische Schmerzsyndrom der Wirbelsäule ist einer der häufigsten Gründe, wenn sich Patienten an einen Osteopathen wenden. Diesbezüglich kann die Osteopathie zu einer Linderung der Schmerzen selbst dann beitragen, wenn die Beschwerden bereits seit mehreren Jahren bestehen.

Der Wirkungsgrad der Osteopathie beim chronischen Schmerzsyndrom der Wirbelsäule

Während für den Erfolg bei der Behandlung vieler Krankheiten der wissenschaftliche Beweis für die Wirksamkeit der Osteopathie fehlt, konnte die Effektivität der parietalen Osteopathie beim chronischen Schmerzsyndrom der Wirbelsäule eindeutig bewiesen werden. Diesbezüglich hat sich herausgestellt, dass die manuelle Therapie in besonderem Maße in subakuten und akuten Krankheitsstadien vor allem bei Rückenschmerzen sehr gut helfen kann. Wie sich im Rahmen einer großen randomisierten und kontrollierten klinischen Studie herausgestellt hat, gibt es im Hinblick auf die Wirksamkeit bezüglich des chronischen Schmerzsyndroms der Wirbelsäule praktisch keinen Unterschied zwischen der europäischen Standardbehandlung und der amerikanischen Methode. Im Gegensatz zum Nutzen, den die Osteopathie offensichtlich bei Rückenproblemen bringt, konnte bei Asthmatikern in einer ähnlichen Studie allerdings keine positive Wirkung nachgewiesen werden.

Ein komplexes Thema

Herzschmerzen müssen nicht unbedingt vom Herzen kommen und Rückenschmerzen nicht zwangsläufig mit der Wirbelsäule zusammenhängen. Vom Bewegungsapparat laufen Verbindungslinien zu den inneren Organen, so dass diese in einem regen Wechselspiel zueinander stehen. Diesbezüglich könnte zum Beispiel eine Gastritis der Verursacher von Rückenschmerzen sein, während wiederum ein blockierter Wirbel einen vermeintlichen Herzschmerz auslöst. Des Weiteren besteht auch eine Verbindung und somit eine gegenseitige Beeinflussung der Wirbelsäule und des Nervensystems. Wenn zum Beispiel die Nervenwurzel durch das veränderte Bandscheibengewebe abgedrückt wird, dann entstehen durch die somit verursachte Reizung Entzündungen, die eine Schwellung zur Folge haben, die wiederum das umliegende Gewebe sowie die Nervenwurzel weiterhin einengt und das Leiden nur noch verstärkt. Die Verschlechterung tritt vor allem auch dadurch ein, dass der venöse und lymphatische Abtransport nicht mehr richtig funktioniert. Hier ist der Osteopath gefragt, um das Zusammenwirken der verschiedenen Strukturen wieder herzustellen.

Osteopathie als Mittel gegen Kopfschmerz

Osteopathie gegen Kopfschmerzen

Wie zahlreiche wissenschaftliche Studien bislang beweisen konnten, ist die Osteopathie dazu in der Lage, Kopfschmerzen und Migräne zu lindern. So wurde zum Beispiel im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung im Jahr 2009 festgestellt, dass vor allem von Kopfschmerzen betroffene Kinder und Jugendliche von einer Osteopathiebehandlung profitieren können. An dem Versuch hatten 28 Kinder und Jugendliche teilgenommen, die für Migräne besonders anfällig waren. Es handelte sich hierbei um Jungen und Mädchen im Alter zwischen acht und fünfzehn Jahren. Diese wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Kinder und Jugendlichen der einen Gruppe wurden in einem Zeitraum von zwölf Wochen viermal osteopathisch behandelt, die Mitglieder der anderen Gruppe blieben unbehandelt. Wie sich anschließend herausgestellt hat, hat die Häufigkeit, die Dauer und die Intensität der Kopfwehattacken bei den behandelten Kindern und Jugendlichen deutlich abgenommen. Die Wirkung der Osteopathie war sogar noch nach etwa einem halben Jahr nachzuweisen. Manche der Kinder wurden auf diese Art und Weise ihre Migräne sogar für immer los. Auch wenn die Osteopathie kein Allheilmittel ist und nicht alle Wirkungsweisen wissenschaftlich belegt werden konnten, so steht doch eindeutig fest, dass die Chiropraktik einen positiven Effekt auf den Bewegungsapparat und im Hinblick auf die Kopfschmerzsymptomatik liefert.

Ein Symptom mit vielen möglichen Ursachen

Kopfschmerzen können verschiedene Ursachen haben. So wird der Osteopath bezüglich der Diagnostik den Patienten sehr genau prüfen. Das Problem muss nämlich nicht immer unbedingt direkt im Kopf sitzen. Vielfach sind auch schlecht funktionierende Wirbel- oder Kiefergelenke dafür verantwortlich. Der Osteopath wird deshalb eine Lösung finden, die betreffenden Gelenke funktionstüchtiger zu machen. Darüber hinaus können auch komprimierte Nerven einen schlimmen Kopfschmerz verursachen. Sehr oft ist hieran eine Fehlstatik des Körpers Schuld, die sich jedoch ebenfalls sehr gut osteopathisch behandeln lässt. Des Weiteren werden Kopfschmerzen und Migräneattacken auch durch Spannungen der Rückenmarks- und Hirnhäute ausgelöst. Der Kopf wird dadurch weniger gut durchblutet, so dass die Anfälligkeit für Migräne deutlich steigt. Ist das der Fall, so untersucht der Chiropraktiker den gesamten Körper. Ziel der Behandlung ist in erster Linie, eine optimale Balance herzustellen und die Spannungen zu reduzieren.

Kinder-Osteopathie

Kinder sind einfach anders

Innerhalb der Osteopathie gibt es mehrere Spezialisierungen. Eine davon ist die Kinder-Osteopathie. Die Arbeit mit Kindern unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der Behandlung Erwachsener. So ist es sehr wichtig, das Vertrauen der kleinen Patienten zu gewinnen. Schließlich ist es Ziel und Zweck, die Behandlung möglichst entspannend zu gestalten. Vor der ersten Behandlung sind viele Kinder noch ein wenig skeptisch. Doch die kleinen Patienten merken sehr schnell, wie gut die Osteopathie ihnen tut.

Die osteopathischen Schwerpunkte bei Kindern

Je nach Behandlungsgrund werden bei Kindern verschiedene osteopathische Verfahren angewandt. So ist zum Beispiel die Craniosacrale Osteopathie die wohl bekannteste und auch mit am häufigsten praktizierte Form der Chiropraktik. Diesbezüglich wird das Kreuzbein, der Schädel und das Nervensystem therapiert.
Die Viszerale Osteopathie ist hingegen für den inneren Bereich zuständig. So können mit der Viszeralen Osteopathie die inneren Organe und das Lymph- und Blutgefäßsystem in die Behandlung miteinbezogen werden.
Die Parietale Osteopathie richtet sich vielmehr an den Bewegungsapparat, umfasst also die Behandlung der Muskeln, der Knochen, der Bänder und Gelenke. Diesbezüglich werden Verspannungen und vor allem Blockaden in den Gelenken gelöst.

Die therapeutischen Schwerpunkte

Es gibt mehrere therapeutische Schwerpunkte für die Kinder-Osteopathie. So gehört dazu zum Beispiel die Schwangerschafts-, die Entwicklungs- und die Geburtsanamnese sowie die Entwicklungsdiagnostik von Kleinkindern und Säuglingen. Diesbezüglich arbeiten die Osteopathen interdisziplinär mit Hebammen, Ärzten und anderen Therapeuten zusammen. Außerdem führen viele spezialisierte Kinder-Osteopathen Beratungen an Schulen, Kindergärten und dergleichen durch.
Die therapeutischen Angebote umfassen zum Beispiel Haltungsschulungen, Stand- und Ganganalysen, Beratungen bezüglich der ergonomischen Beschaffenheit von Schreibtischen und Stühlen sowie das Erstellen individueller Übungsprogramme. Die manuelle Medizin wird insbesondere bei Kindern vor allem bei Gliedmaßenfehlstellungen, zum Beispiel bei Schiefhals, Vorzugshaltungen, Hüftdysplasie und Gesichts- sowie Schädeldeformierungen eingesetzt. Außerdem ist auch die Behandlung bei allgemeinen Lern- und Konzentrationsschwächen, bei Drei-Monats-Koliken, Säuglingsskoliose, Schluck- und Saugstörungen, Wachstumsschmerzen, erhöhter Infektanfälligkeit und bei Hyperaktivität sinnvoll.

Ausbildung zum Osteopathen

Die rechtlichen Voraussetzungen für die Ausbildung zum Osteopathen in Deutschland

Wer in Deutschland die Osteopathie erlernen möchte, der kann dies zum Beispiel an einer privaten Osteopathie-Schule tun. Da sehr viele Menschen die Osteopathie als Nebentätigkeit ausüben möchten, finden die Kurse zumeist vier Jahre lang berufsbegleitend an den Wochenenden statt. Darüber hinaus wird sehr oft auch eine fünfjährige Vollzeitausbildung zum Osteopathen und zugleich zum Heilpraktiker angeboten. Zu den Personengruppen, die überdurchschnittlich häufig an einer solchen Ausbildung teilnehmen, gehören Physiotherapeuten, Heilpraktiker, Ärzte und Masseure. Eigenständig praktiziert darf die Osteopathie allerdings nur von Heilpraktikern und Ärzten werden. Denn in Deutschland wird die Chiropraktik zur Heilkunde gezählt. Daher müssen zum Beispiel medizinische Bademeister und Masseure im Rahmen der Osteopathie-Ausbildung auch den Titel zum Heilpraktiker erwerben. Ansonsten ist eine Ausübung der Osteopathie für alle anderen nur dann möglich, wenn die osteopathische Arbeit in den Grenzen des Grundberufs stattfindet.
In Hessen besteht seit November 2008 die Möglichkeit, sich zum staatlich anerkannten Osteopathen weiterbilden zu lassen. In den meisten anderen Bundesländern ist die Berufsbezeichnung Osteopath nicht erlaubt, so dass dem betreffenden Therapeuten, der sich nicht daran hält, eine Abmahnung droht. Des Weiteren gibt es an der privaten Hochschule Fresenius einen neuen Bachelor-Studiengang Osteopathie. Eine Teilnahme ist ab dem Wintersemester 2011/12 möglich.

Die Situation im Ausland

In anderen Ländern genießt die Osteopathie weitaus mehr Anerkennung. So kann zum Beispiel in den USA eine Arztausbildung mit dem Abschluss „Doctor of Osteopathic Medicine“ absolviert werden. Die Colleges, die die Chiropraktik lehren, sind zum Teil den Universitäten angegliedert. Da sich die Ausbildung an der wissenschaftlichen Medizin orientiert, wird auch Wissen im Bereich der Chirurgie und der Pharmazie vermittelt. Das manuelle alternativmedizinische Behandlungs- und Diagnosekonzept ist diesbezüglich nur einer von mehreren Fachbereichen im Rahmen der vordergründig medizinischen Ausbildung. Bei vielen Osteopathen in den USA handelt es sich demnach um Ärzte, die im Gegensatz zu den Ärzten der Medizin den Titel D.O. für „Doctor of Osteopathic Medicine“ tragen. Die Ausbildung kann unter Umständen auch in Deutschland anerkannt werden, so dass es diesen Menschen gegebenenfalls möglich ist, auch hierzulande als Arzt zu praktizieren.
Aber nicht nur in Amerika, auch in Europa gibt es viele Länder, die ein Studium in Osteopathie zulassen. So kann man an etlichen Universitäten einen „Master of Science“, beziehungsweise einen Doktorgrad in der Osteopathie erreichen. Dank verschiedener zwischenstaatlicher Abkommen, zum Beispiel durch das Bologna-Abkommen, gelten diese Bezeichnungen auch in Deutschland. Allerdings bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass die Osteopathie im deutschen Gesundheitswesen als Beruf zugelassen ist.

Bachelor-Studiengang Osteopathie in Hessen

Die WPO-Osteo in Hessen

In der Verordnung einer Weiterbildungs- und Prüfungsordnung im Bereich der Osteopathie, kurz WPO-Osteo genannt, wird die Weiterbildung zum Osteopathen in Hessen geregelt. Die Verordnung existiert seit dem 4. November 2008. Während die meisten übrigen Bundesländer im Hinblick auf die Regelung des Osteopathen als eigenständigen Berufsstand keinen Regelungsbedarf sahen, hat sich in Hessen eine gesetzliche Regelung durchsetzen können. Somit wurde die WPO-Osteo vom hessischen Sozialministerium verabschiedet. Diesbezüglich umfasst das Regelwerk sämtliche in der WPO genannten Berufsgruppen. Die Qualität entspricht hierbei in etwa dem bislang praktizierten Unterricht an den von der VOD anerkannten Osteopathieschulen. Demnach darf sich nur derjenige staatlich anerkannter Osteopath nennen, der eine verhältnismäßig aufwändige Ausbildung hinter sich hat. Die meisten Fortbildungswilligen stammen aus heilmedizinischen Berufen. Als Weiterbildung wird die Osteopathie vor allem von Physiotherapeuten, Heilpraktikern und Masseuren angestrebt.

Die Anforderungen an den zukünftigen Osteopathen

Um die staatliche Anerkennung zum Osteopathen in Hessen zu bekommen, müssen mindestens 1350 theoretische und praktische Unterrichtsstunden von jeweils 45 Minuten Dauer geleistet werden. Für in Hessen befindliche Osteopathieschulen, die darüber hinaus dem geforderten Standard entsprechen, besteht die Möglichkeit, eine Zertifizierung als Weiterbildungsstätte zu erhalten. Davon profitieren letztendlich auch die Auszubildenden, da sie den Nachweis erbringen können, eine qualitativ hochwertige Ausbildung genossen zu haben und sich diesbezüglich von vielen anderen „Osteopathen“ unterscheiden. Allerdings ist auch in Hessen die eigenständige Regelung bezüglich der Ausübung eines Berufsstandes nicht erlaubt. Die WPO soll lediglich dazu beitragen, ein eigenes Berufsbild zu erschaffen und diesbezüglich die Weiterbildung durch ein entsprechendes Qualitätssiegel aufwerten.

Die Osteopathie als Bachelor-Studiengang

Dass die Osteopathie als Bachelor-Studiengang angeboten wird, ist noch ganz neu. Das Studium ist erstmals ab dem Wintersemester 2011/12 möglich. Das an der staatlich anerkannten Privat-Hochschule Fresenius in Idstein angebotene Studium umfasst acht Semester und wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Verband der Osteopathen Deutschland (VOD) entwickelt. Das Bachelor-Studium vermittelt ein umfangreiches Wissen in den Bereichen der Physiologie, der Anatomie, der Hygiene, der Biochemie und der Wahrnehmung.
Das Bachelor-Studium Osteopathie wird mit dem Bachelor of Science abgeschlossen. Darüber hinaus ist auch eine externe Heilpraktikerprüfung erforderlich. Für das Studium können außerdem nur solche Personen zugelassen werden, die von einem VOD-anerkannten Osteopathen empfohlen wurden. Für das Bachelor-Studium Osteopathie müssen eine Immatrikulationsgebühr von 200 Euro sowie die Studiumskosten in Höhe von 495 Euro aufgebracht werden.

Literatur zum Thema Osteopathie

Zum Thema Osteopathie stehen sowohl für den ambitionierten Laien allgemeinverständlich verfasste Fachbücher als auch Unterrichtsmaterial für angehende Chiropraktiker zur Verfügung. So informiert zum Beispiel der im Gräfe und Unzer Verlag erschienene GU Ratgeber „Osteopathie“ von Siegbert Tempelhof über die Möglichkeiten der Chiropraktik.

Des Weiteren ist auch das Buch „Osteopathie: Sanftes Heilen mit den Händen“ von Christoph Newiger, Monika Werneke und Rainer Schöttle aus dem Trias-Verlag sehr empfehlenswert. Diesbezüglich wird dargestellt, wie gezielte Berührungen die Selbstheilungskräfte fördern können und für welche Beschwerden sich die Osteopathie eignet.

Sehr interessant ist auch der „Leitfaden Osteopathie: Parietale Techniken – mit Zugang zum Elsevier-Portal“ von Tobias K. Dobler und Torsten Liem. Das fachlich fundiert verfasste Buch ist im Urban & Fischer Verlag erschienen.

Wer sein Wissen im Bereich der Kraniosakralen Osteopathie vertiefen möchte, der findet im praktischen Lehrbuch von Torsten Liem sehr viele nutzbringende Informationen. Das Buch wurde 2009 vom Hippokrates Verlag herausgebracht.

Eltern mit Kindern werden hingegen das Buch „Osteopathie: So hilft sie Ihrem Kind“ sehr lesenswert finden. In dem Buch wird die Osteopathie als sanfte Behandlung mit den Händen geschildert. Des Weiteren enthält die Lektüre Informationen über die Anwendungsgebiete und wie man vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern äußere und innere Spannungen löst.

In „Die Botschaften unseres Körpers“ wird gezeigt, wie die ganzheitliche Gesundheit ohne Medikamente erhalten und gefördert werden kann. Das Buch ist im Südwest Verlag erschienen und wurde von Jean-Pierre Barral verfasst.

Über Triggerpunkte und Muskelfunktionsketten in der Osteopathie und in der manuellen Therapie geht es in dem gleichnamigen Buch von Eric Hebgen und Philipp Richter. Das im Hippokrates Verlag erschienene Buch wurde im Februar 2007 auf den Markt gebracht.

Vom Urban & Fischer Verlag existiert mit „Osteopathie bei Kindern und Jugendlichen“ von Jane Carreiro ein Buch, das die Grundlagen, Krankheitsbilder und Behandlungstechniken der Osteopathie erklärt.

Mit der Viszeralen Osteopathie beschäftigt sich hingegen das „Lehrbuch der Viszeralen Osteopathie“ von Pierre Mercier und Jean-Pierre Barral. Mit der gleichen Thematik befasst sich auch das Buch „Checkliste Viszerale Osteopathie“ von Eric Hebgen aus dem Hippokrates Verlag.

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