Konflikte im tibetischen Buddhismus

Konflikte existieren auch im Buddhismus.Der Buddhismus gilt eigentlich als besonders friedliche Religion. Anderen Wesen keinen Schaden zuzufügen, ist einer der wesentlichen Grundsätze. Doch trotzdem gibt es auch im tibetischen Buddhismus einige Konflikte, die die Anhänger sogar dazu bringen, ihre unterschiedlichen Meinungen bei groß angelegten Demonstrationen kundzutun.

Der Karmapa-Konflikt

Einer der Konflikte dreht sich um die Wiederverkörperung des 16. Karmapas. Nach seinem Tod wurden im Jahr 1981 zwei Anwärter gefunden, die beide als möglicher Nachfolger gelten. Beide Kandidaten wurden inthronisiert und nehmen seitdem als 17. Karmapa regelmäßig zeremonielle und rituelle Aufgaben wahr.

Dieser sogenannte Karmapa-Konflikt hat zu einer extremen Spaltung unter den Buddhisten geführt – sogar unter den westlichen Anhängern. Denn die offizielle Inthronisierung von zwei verschiedenen Männern löste weltweite Debatten aus. Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, zu lügen und sich falsch zu verhalten.

Shugden: Schutzgottheit oder schädlicher Geist

Ein weiterer -in der Regel sogar als noch schwerwiegender angesehener- Konflikt im tibetischen Buddhismus ist die Debatte um die Schutzgottheit Shugden. Dieser Konflikt belastet die ansonsten so friedliche Religion bereits seit Jahrhunderten. Viele Versuche der Konfliktlösung sind bereits gescheitert.

Im Wesentlichen geht es um Shugden, den die eine Gruppe für eine Schutzgottheit hält, der verehrt werden sollte, und den die andere Gruppe als einen schädlichen Geist ansieht. Generell wird Shugden als Wiederverkörperung eines Gelehrten im 17. Jahrhundert angesehen. Dieser nahm an der Auseinandersetzung um die Herrschaft in der Gelbmützen-Schule teil. Er verlor dabei gegen den fünften Dalai Lama und kam anschließend unter mysteriösen Umständen ums Leben.

Seit dem sind Shugdens Anhänger der Meinung, dass er keinesfalls ein Geist ist, der Schäden anrichtet, sondern vielmehr eine Schutzgottheit.

Die Gegner werfen sich in diesem Konflikt immer wieder gegenseitig vor, zu lügen. Und sogar der Dalai Lama stößt mit seiner Meinung dazu oftmals auf Unverständnis und muss sich Anfeindungen stellen. Vor allem in Europa wird aus diesem Grund häufig gegen den Dalai Lama demonstriert und er wird sogar immer wieder von Shugden-Anhängern beschimpft.

Dalai Lama zweifelt an Shugden

Der Dalai Lama gehört selbst zur sogenannten Gelugpa- oder Gelbmützenschule, die Shugden in den vergangenen 100 Jahren eigentlich weitestgehend verehrt hat. Laut eigener Aussage hat der Dalai Lama Shugden zunächst ebenfalls verehrt, allerdings aus Unwissenheit. Sein jüngerer Lehrer war Shugden-Anhänger, während sein älterer Lehrer ihm ablehnend gegenüberstand. Im Laufe der Zeit bekam der Dalai Lama -wie er selbst sagt- „erhebliche Zweifel“, und er begann, sich mit dem Konflikt auseinanderzusetzen und das Phänomen zu untersuchen. Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass Shugden ein schädlicher Geist sei. Seitdem rät der Dalai Lama von seiner Verehrung ab und verehrt ihn auch selbst nicht mehr.

Die Anhänger Shugdens werfen dem Dalai Lama nun vor, in dieser Hinsicht zu lügen und fordern ihn auf, ihnen die Religionsfreiheit zu geben. Außerdem soll er -ihrer Meinung nach- aufhören, zu behaupten, ihr Glaube sei eine Irrlehre und die Shugden-Anhänger keine Buddhisten.

Konflikt kann nicht objektiv geklärt werden

Für westliche Beobachter ist der gesamte Konflikt nur schwer zu durchschauen. Viele Experten sind allerdings der Meinung, dass es sich bei der Verehrung oder der Ablehnung von Shugden nicht um eine Frage von Lüge oder Wahrheit handeln kann.

Stattdessen sei es vielmehr eine Ansichtssache, bei der jeder für sich selbst entscheiden muss, was er glaubt. Ob etwas eine Schutzgottheit ist oder nicht, entstehe nur in der jeweiligen Vorstellung der Gläubigen und kann nicht objektiv geklärt werden.

Der Dalai Lama gilt allerdings als Oberhaupt der Tibeter, weshalb seine Meinung sehr viel zählt. Auch wenn er nicht wirklich verbietet, Shugden zu verehren, kann seine eigene Abkehr von ihm, zusammen mit dem Rat an die Buddhisten, ihn ebenfalls abzulehnen, deshalb fast schon als eine Art Verbot angesehen werden. Manche Shugden-Anhänger werfen ihm in diesem Zusammenhang sogar vor, der falsche Dalai Lama zu sein.

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