Hans-Peter Dürr: Physik & Transzendenz

Hans-Peter Dürr: Physik & TranszendenzDriediger Verlag, 2010, 300 Seiten, 21,90 €

Hans-Peter Dürr, selbst Physiker und seinerzeit Mitarbeiter des Nobelpreispreisträgers Werner Heisenberg, hat Vorträge und Aufsätze berühmter Physiker gesammelt und sie in einem Grundlagenwerk veröffentlicht. Die Texte in „Physik & Transzendenz“ behandeln alle das Eine: die Begegnung der großen Physiker unserer Zeit mit dem Unerklärlichen und Wunderbaren.


Quantenphysik als Begriff wird immer wieder verwendet, auch im Zusammenhang mit dem Zustandekommen ungewöhnlicher Heilungen, sei es durch Handauflegen, wie bei Reiki, sei es durch eine andere Form der heilenden Berührung. Doch wer weiß schon, was Quantenphysik eigentlich ist und woher sie ihren Namen hat? Wer es genau wissen will, dem sei dieses Buch unbedingt empfohlen. Er kann während des Lesens die „Väter“ der Quantenphysik, die meis­ten von ihnen Nobelpreisträger, kennenlernen und ihnen gleichsam beim Nachdenken zuschauen. „Physik & Transzendenz“ ist ein Buch für jeden, dem ganzheitliche Erkenntnis wichtig ist und der erfahren möchte, wie die Vertreter einer eher als nüchtern angesehenen Wissenschaft, nämlich der Physik, zu ihrer persönlichen, ganzheitlichen Schau gelangt sind.

Herausgeber Hans-Peter Dürr legt seine Sicht der Dinge in zwei ausführlichen Vorworten dar, auf diese Weise einen Prolog zum Buch bildend. Das zweite, für diese Auflage geschriebene Vorwort legt den Akzent noch deutlicher als das erste auf die Brücken, die durch das neue Weltbild der Physik geschlagen werden können. Brückenbau nicht nur zwischen den Naturwissenschaften, sondern auch hin zu den Geisteswissenschaften und „zu den Religionen in allen ihren Formen.“ Die „alten Fragen nach den Beziehungen zwischen den Gegensatzpaaren Naturwissenschaft und Religion, Wissenschaft und Mystizismus, Wissen und Glauben“ werden in diesem Buch wieder aufgegriffen und „mit Blick auf die Quantenphysik neu diskutiert“, so der Herausgeber.

Die zehn größten Quantenphysiker der letzten Jahrzehnte – von Niels Bohr über Albert Einstein bis hin zu Carl Friedrich von Weizsäcker – schildern in „Physik & Transzendenz“ ihre Weltsicht und ihre persönliche Beziehung zur Spiritualität. Jeder der hochkarätigen Autoren dieser Aufsatzsammlung hat seinen eigenen Stil, seine eigene Art, die neue Physik zu beschreiben, die sie erforscht haben. Einer Revolution gleich kam die Entdeckung, dass der Beobachter das beein­flusst, was er beobachtet. Denn diese Einsicht stürzte alle vorhandenen Denkmodelle um. Statt einer „materiell-mechanistischen Ausgangsbasis“, die stets vorgegeben angetroffen wird und deren unverbundene Bestandteile nur korrekt zu messen seien, zeigte sich vielmehr, dass die Welt „ein immaterielles, unauftrennbares Beziehungs­gefüge“ ist, wie Herausgeber Dürr schreibt.

Die Aufsätze der zehn namhaften Wissenschaftler sind in diesem Buch chronologisch angeordnet. Die Sammlung beginnt, sozusagen das Leitmotiv vorgebend, mit einem Vortrag Max Plancks zum Thema „Religion und Naturwissenschaft“. Max Planck hat 1918 den Nobelpreis für Physik bekommen, für eine Entdeckung, die den Grund legte für die neue, nämlich die Quantenphysik. Max Born, Nobelpreisträger von 1969, fragt in seinem Vortrag „Physik und Metaphysik“, was letztlich „Realität“ sei und wodurch sie definiert wird; dabei erklärt er, was die Quantenphysik beschreibt. Abgeschlossen wird die Sammlung durch einen Artikel von David Bohm, des jüngs­ten der Wissenschaftler. Gerade dessen Sicht der Dinge ist besonders spannend, wie bereits der Titel ahnen lässt: „Fragmentierung und Ganzheit“. Bohm betrachtet mit einem ganzheitlichen Blick die Welt, in der wir leben und fragt, welchen Anteil an deren Zustand das westliche, fast zergliedernde Denken haben könnte. Gleichsam den Epilog dieses Buchs bildet, von Hans-Peter Dürr bewusst aus der chronologischen Ordnung herausgenommen, ein Aufsatz Werner Heisenbergs. Heisenberg hat die Gesetzmäßigkeiten der Quantenmechanik festgestellt und die berühmte „Heisenbergsche Unschärferelation“ definiert, derzufolge, grob gesagt, ein Elementarteilchen sich mal als Welle und mal als Teilchen herausstellt, je nachdem, was der Beobachter messen will.

Die Lektüre von „Physik & Transzendenz“ ist bereichernd und anregend. Ein bisschen Zeit sollte man sich allerdings nehmen, um sich auf die ungewohnten Blickwinkel einzulassen, nämlich Blickwinkel forschender Wissenschaftler, die das, was sie entdeckt hatten, gründlich betrachtet und hinterfragt haben. Dabei kamen sie alle ausnahmslos zu einem inspirierenden Ergebnis: nämlich der tief greifenden Konsequenz, die das ganzheitlich ausgerichtete Weltbild der Quantenphysik für die heutige Zeit hat. Getragen wird diese Konsequenz von der Faszination am Unerklärlichen der Welt, des Universums und der großen Ehrfurcht vor dem Geheimnis, das allem, was ist, zugrunde liegt.

Die Anthologie „Physik & Transzendenz“ ist aktueller denn je. Heute meint man, mehr zu wissen als seinerzeit, was die geheimnisvollen Kräfte hinter den Phänomen der Quantenphysik betrifft, und da kommt dieses Grundlagenwerk gerade recht. Denn es beleuchtet den Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Spiritualität, den die Väter der Quantenphysik als Konsequenz ihrer Entdeckungen vorfanden.

 

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Franziska Rudnick

Veröffentlicht von

Franziska Rudnick praktiziert seit 1996 Reiki und wurde 2010 in England zur Reiki-Meisterin eingeweiht. Franziska ist Redakteurin des Reiki-Magazins. Ihr Buch "Heilende Begegnung", das 12 unterschiedliche Geistheiler portraitiert, ist 2012 im Windpferd-Verlag erschienen.

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