Düfte und Aromatherapie

Ein Geruchsgenie wie Patrick Süskinds Jean-Baptiste Grenouille aus dem Bestseller „Das Parfum“ möchte sicher niemand sein, doch auf unseren Geruchssinn verzichten wollen wir sicherlich auch nicht. Der olfaktorische Sinn des Menschen ist nicht der stärkste Sinn, wir orientieren uns stärker über den Sehsinn; könnten wir nichts mehr riechen, würde uns allerdings ein beträchtlicher Teil an Lebensqualität abhanden kommen. Düfte und Gerüche lassen sich auch therapeutisch in den Gesundheitsberufen einsetzen. Alleine heilen sie natürlich keine Krankheiten, doch sie können dabei unterstützend wirken und deutlich zum gesteigerten Wohlbefinden und zur Entspannung beitragen.

Der Geruchssinn: Damals wie heute lebenswichtig

Der Geruchssinn diente dem Menschen schon immer zur Sicherung seiner Überlebenschancen. Wer sicher riechen kann, schützt sich beispielsweise davor, verdorbenes Essen zu sich zu nehmen, dem man diesen Zustand nicht immer ansähe. Auch heute schnuppern wir instinktiv an Speisen und nehmen wahr, ob sie gut oder verdorben riechen, ob wir sie noch guten Gewissens essen können. Der Geruchssinn hilft uns dabei, auch neue Situationen richtig einzuschätzen und absehen zu können, ob uns Gefahr droht oder ob wir uns fallen lassen können. Feuer, chemische Schadstoffe und andere schädliche Einflüsse riecht man oft, bevor man sie sieht. So abschreckend sie wirken, so anziehend können andere sich wiederum aufs Gehirn des Menschen entfalten. Der Duft von Blüten, Obst oder auch der charakteristische Duft eines anderen Menschen wirken wohltuend auf unser Gemüt. Sie beruhigen und entspannen uns, wecken angenehme Assoziationen und sorgen dafür, dass es uns rundum gut geht, wenn wir sie wahrnehmen. Und gerade diese wohligen Düfte sind es, die sich in den Gesundheitsberufen zur Therapie und zur Unterstützung einer Heilungsmaßnahme anwenden lassen.

Die Aromatherapie: Arbeit mit Düften

In der Aromatherapie werden Düfte und angenehme Gerüche als einziges Mittel der Behandlung eingesetzt und sollen den olfaktorischen Sinn des Menschen dazu anregen, seine Wirkung auf den Körper und den Geist zu entfalten. Düfte sind mal unangenehm und mal wiederum sehr angenehm – in der Aromatherapie wird gezielt mit denjenigen gearbeitet, die wir als sehr wohlig empfinden und die unseren Körper und die Seele dazu veranlassen, positiv zu reagieren. Wir werden dem angenehmen Duft in Form von ätherischen Ölen ausgesetzt oder tun das von ganz alleine im privaten Haushalt, auch wenn dort niemand gezielt von der Aromatherapie spricht. Diese Therapieform gehört zum Bereich der Phytotherapie, also der Pflanzenheilkunde, da ätherische Öle völlig natürlichen Ursprungs sind und nicht künstlich hergestellt, sondern aus der Arbeit mit der Pflanze gewonnen werden. Die positive Wirkung der Aromatherapie erhält man bereits, wenn man zu Hause beispielsweise mit einem wohlriechenden Duschgel duscht oder ein Räucherstäbchen anzündet, denn so nimmt man den Duft über längere Zeit hinweg konzentriert wahr und wird bemerken, wie er sich auf die Psyche und das Wohlbefinden auswirken kann. Einige Aromastoffe haben sogar eine antibakterielle Wirkung, weshalb sie bei Erkältungen und Infektionen inhaliert werden und den Heilungsverlauf unterstützen können.

Düfte als sekundäre Therapie

Bei der Aromatherapie handelt es sich um die so genante primäre Therapie mit Düften. Es gibt aber auch eine ganze Reihe von sekundären Formen: Sie rücken den Duft zwar in eine zentrale Rolle, arbeiten aber nur nebensächlich mit ihm. In diesem Zusammenhang wird man bald auf den Begriff Set und Setting stoßen. Diese Annahme stammt aus dem Bereich der Psychotherapie und wurde vom amerikanischen Psychologen Timothy Leary geprägt. Er geht davon aus, dass Drogen wie auch Behandlungen abhängig sind von der Erwartungshaltung des Patienten, seiner Stimmung und seiner Gefühlslage (Setting), aber auch von der Umgebung, in der er sich während der Therapie befindet (Set). Das Set kann entscheidend durch ein angenehmes Aroma mit beeinflusst werden und dieses kann unterschwellig einen positiven Einfluss auf den Therapieerfolg nehmen. Beliebt ist das Set und Setting-Prinzip etwa zur Unterstützung von Entspannungstechniken. Wenn der Duft im Raum stimmt, lässt man sich viel eher fallen und lässt den olfaktorischen Sinn seine lockernde Wirkung entfalten. Dadurch gelingt es eher, sich auf die Entspannungstechnik selbst einzulassen, etwas aus ihr zu lernen und neue Kraft zu tanken. Die Therapie wird insgesamt erfolgreicher und man verlässt die Praxis entspannt und gelockert.

Der Duft als Beruf

Wer mit Düften heilen und den Erfolg einer Therapie beeinflussen möchte, sollte sich nach einer Ausbildung zum Aromatherapeuten umsehen. Es handelt sich dabei meistens um eine Zusatzqualifikation für medizinisches Personal, beispielsweise für den Heilpraktiker oder den Psychologen. In einigen Fällen kann man auch Kurse besuchen, die zu einer sehr ähnlichen Tätigkeit befähigen und das notwendige Wissen vermitteln, um beispielsweise mit ätherischen Ölen zu arbeiten und Kunden zu beraten, die auf der Suche nach Düften und Aromen sind, die sich auf ihr Wohlbefinden auswirken werden.

Duftträger für zu Hause und die Praxis

Duftträger gibt es viele. Einige werden bevorzugt im Bereich der Aromatherapie angewandt, andere hingegen eignen sich für den Hausgebrauch und sind bevorzugt aus diesem Bereich bekannt. Die Aromatherapie setzt gerne auf ätherische Öle aller Art. Dabei handelt es sich um das Öl, das in Pflanzen enthalten ist, um sie vor Fressfeinden zu schützen. Es schmeckt diesen in der Regel nicht und entfaltet vor allem einen derart starken, intensiven, durchdringenden Geruch, dass Feinde die Pflanze nicht einmal beschädigen. An den Menschen hat die Natur dabei jedoch nicht gedacht, denn er liebt ätherische Öle und profitiert umso mehr von ihrer natürlichen Intensität, die jeden künstlichen Stoff weit übertrifft. Das ätherische Öl kann man in einer Duftlampe verwenden oder auch eine Duftkerze verwenden, die zugleich schön aussieht und einfacher in der Anwendung ist. Eine weitere Möglichkeit besteht im Räucherwerk, das eine ganz andere Duftnote entfaltet und Gemütlichkeit ausstrahlt, weshalb sie vor allem in der kalten Jahreszeit sehr beliebt ist. Am bekanntesten sind hier sicherlich die Räucherstäbchen, welche in den verschiedensten Düften erhältlich sind. Doch auch getrocknetes Holz oder Harz, als auch getrocknete Kräuter sind im Handel erhältlich und können so als Räucherwerk dienen. In eine etwas modernere Richtung geht das Raumparfüm: Dabei handelt es sich um ein Ölfläschchen, in das man Rattanstäbchen steckt, die sehr porös sind und den Duft des Öls im ganzen Raum verteilen. Je nachdem, wie viele Rattanstäbchen man einsetzt, desto intensiver wird der Duft insgesamt und kann auch einmal etwas zu intensiv ausfallen, wenn man das richtige Gespür noch nicht entwickelt hat. Unter der Dusche kann man Duschgele und Badezusätze verwenden, die ein Aroma entfalten und auf diese Weise wirksam sind.

Düfte als Medizin

Viele Düfte und Aromen sind an einen medizinisch wirksamen Träger gekoppelt. Diese werden in der Regel inhaliert, wenn man erkältet ist oder an einer anderen leichten Infektionskrankheit leidet. Sie wirken antibakteriell und entfalten gleichzeitig durch ihr Aroma eine beruhigende, besänftigende und entspannende Wirkung aufs Gemüt. Sie sind leuchte zu Hause zuzubereiten, doch man muss sich etwas mit ihrer Wirkung auskennen, da auch nicht jeder Duftträger die gleichen antibakteriellen Eigenschaften hat. Am besten verwendet man dafür Kräutertees oder spezielle Aufgüsse aus der Apotheke, da man dort Beratung einholen kann, wenn man sich nicht sicher ist.

Die Geschichte der Düfte

Düfte waren bereits den alten Hochkulturen bekannt, die die europäische Zivilisation begründeten. In Ägypten beispielsweise waren Düfte vor allem als Räucherwerk bekannt und wurden dort für rituelle, aber auch für therapeutische Zwecke eingesetzt. Kräuter, die auch heute noch für ihren Duft und ihre heilenden Kräfte beliebt sind, wurden zur Heilung und zur Reinigung der Umgebung angewandt, in der ein Kranker gelegen hatte. Düfte wurden in den Jahrhunderten danach vor allem von der reichen Bevölkerung genutzt, die sich nicht täglich waschen konnte und trotzdem gut riechen wollte – denn ohne die Möglichkeit der täglichen Reinigung rochen selbst Reiche und Adelige bald nicht mehr frisch und angenehm. Übertüncht wurden diese natürlichen Gerüche mit intensiven, starken Parfüms. Die Entdeckung der Düfte als Therapieform geht jedoch auf einen Unfall zurück, der im Jahre 1910 dem französischen Parfumeur und Chemiker René-Maurice Gattefossé in seinem Labor passierte. Seine Wunden versorgte er danach auf eigene Faust mit Lavendelöl und forschte weiter nach, als er begeistert feststellte, dass seine schweren Verbrennungen ohne Narbenbildung abheilten. Auf diese Weise entwickelte Gattefossé zwischen den beiden Weltkriegen und in der Zeit danach reihenweise Anwendungsgebiete für ätherische Öle, sowohl in der Wundheilung als auch im Bereich der Schönheit und Kosmetik. Seine Arbeit bildet heute noch die Basis für die Aromatherapie, denn immerhin war es er selbst, der diesen Begriff prägte.

Buchtipps rund um die Aromatherapie

Eliane Zimmermann: Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe. Sonntag Verlag, 49,95 Euro.
Susanne Fischer-Rizzi: Himmlische Düfte: Das grosse Buch der Aromatherapie. AT Verlag, 29,90 Euro.
Gerti Samel und Barbara Krähmer: Heilende Energie der ätherischen Öle: Aromaöle für Körper und Seele nutzen – Ganzheitliche Duftberatung von A bis Z: Aromaöle für Körper und Seele nutzen, ganzheitliche Duftberatung von A – Z, Südwest Verlag, 14,95 Euro.
Erich Keller: Aroma-Therapie, Allegria Taschenbuch, 9,95 Euro.

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