Der personenzentrierte Ansatz nach Carl R Rogers |
| Geschrieben von: Janina Köck |
| Mittwoch, den 22. April 2009 um 17:40 Uhr |
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Die personen – oder klientenzentrierte Psychotherapie ist neben der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie eine der drei verbreitetesten Therapieformen. Der Klient als gleichberechtigter Partner des Psychologen bildet den Mittelpunkt der Therapie. Ziel ist es das Erleben und Verhalten des Klienten, mittels Gesprächen, zu verändern. Entwickelt wurde die klientenzentrierte Psychotherapie in den 40ziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts durch Carl Rogers. Biographischer Überblick: Carl R. Rogers:
Das humanistische Menschenbild:Dem theoretischen Ansatz von Rogers liegt ein humanistisches Menschenbild zugrunde. Anders wie in der Psychoanalyse und den kognitiven Theorien, wo unbewusste Triebe bzw. Reiz-Reaktions-Verhalten den Menschen bestimmen, geht die humanistische Psychologie von der Selbststeuerung des Individuums aus. Der Mensch wird als ganzheitliches Wesen (Kognition, Emotion und Motivation) betrachtet, dessen Ziel die Selbstverwirklichung ist. Es wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch dazu in der Lage ist seine Fähigkeiten bestmöglichst einzusetzen, um all seine Bedürfnisse zu befriedigen. Maslow entwickelte 1981 das Model der menschlichen Bedürfnisse:
Die Humanisten gehen davon aus, dass jedes Verhalten sinn – und zielorientiert ist. Destruktives Verhalten entsteht dadurch, wenn die Selbstverwirklichungstendenz durch äußere Einwirkungen gestört wird. Konstruktivismus:Eine weitere psychologische Richtung, durch die Rogers beeinflusst wurde, ist der Konstruktivismus. Die Konstruktivisten gehen davon aus, dass es keine absolute Wirklichkeit in der Welt gibt. Jeder Mensch nimmt seine Umwelt und seine Mitmenschen anders wahr. Das Selbst des Menschen wird demnach geformt, wie er seine Umwelt wahrnimmt. Sinneswahrnehmungen sind keine Abbilder einer absoluten Wirklichkeit, sondern individuelle subjektive Konstruktionen. Dieses Ansichtsweise hat als Konsequenz, dass alle Wahrnehmungen von anderen akzeptiert werden, sind sie noch so abwegig von unserer Wahrnehmung. Nicht mehr die Umwelt bedingt das Verhalten des Menschen, sondern der Mensch ist ganz alleine für sich verantwortlich. Rogers gilt als Anhänger des radikalen Konstruktivismus, der davon ausgeht, dass nur der Mensch allein sich subjektive Bilder von seiner Umwelt macht. Es gibt noch den sozialen Konstruktivismus, der geht davon aus, dass der Mensch erst in Kontakt mit anderen Menschen kommen muss und erst in einer solchen sozialen Situation sich Abbilder machen kann. Das Selbstbild jedes einzelnen Menschen ist entstanden durch seine subjektiven Wahrnehmungen der Umwelt und seine damit verbundenen Erfahrungen. Der personenzentrierte Ansatz nach Carl Rogers:Rogers geht davon aus, dass der Mensch ein natürliches Bedürfnis zur Weiterentwicklung und zur Entfaltung seiner Fähigkeiten hat. Er spricht von der Aktualisierungstendenz, die das Verhalten des Menschen konstruktiv steuert. Ist das Verhalten eines Menschen destruktiv oder kann er seine Fähigkeiten nicht voll entfalten, so sind es meist die Umgebungsbedingungen, die die Aktualisierungstendenz behindern. Im Laufe seiner Entwicklung macht der Mensch Erfahrungen. Jede subjektive Wahrnehmung, ob bewusst oder unbewusst, trägt zu den Erfahrungen des Individuums bei. Bei einer bewussten Erfahrung spricht man von Symbolisierung, weil ein bestimmtes „Symbol“ für ein Gefühl, für eine Empfindung steht. Doch gibt es auch sehr viele unbewusste Erfahrungen, die nicht zu einer bestimmten Person oder Gegenstand zugeordnet werden können. Genauso wie die Aktualisierungstendenz den Menschen sein ganzes Leben lang inne wohnt, so sammelt er ständig neue Erfahrungen. Das Selbstkonzept ist das Bild, das jeder Mensch von sich selber hat. Es entsteht durch die Erfahrungen, die jeder Mensch mit sich selber und mit der Interaktion seiner Umwelt macht. Das Selbst ist nichts Festes, sondern ein Prozess: Es ändert sich mehr oder weniger stark durch die Erfahrungen, die der Mensch macht. Das heißt, die Persönlichkeit eines Menschen ist nie gleich. Einstellungen, Bedürfnisse, Interessen, Gefühle etc. ändern sich im Laufe des Lebens. Die Veränderung ist abhängig von Lebensalter – und Situation, und von den Erfahrungen mit unserer sozialen Umwelt. Die Aktualisierungstendenz trägt auch ihren Teil zur Entwicklung des Selbst bei. Stimmt das Selbst einer Person mit dessen Erleben überein, d.h. werden die gesammelten Erfahrungen zugelassen und ins Selbst integriert, so spricht man von Kongruenz. Das Individuum ist sich seiner Gefühle und Bedürfnisse bewusst und lebt diese aus. Von Inkongruenz spricht Rogers, wenn das Selbst und die Erfahrungen nicht miteinander übereinstimmen, wenn Gefühle und Gedanken nicht zugelassen werden. Subjektiv erlebt die Person, dass mit ihr etwas Anderes vorgeht, als sie will. Die Person will ein Selbst aktualisieren, das mit der Erfahrung nicht übereinstimmt, weshalb diese abgewehrt werden. Eine zweiter Aspekt in Rogers Theorie ist die Beziehungsangewiesenheit des Menschen. Das bedeutet, dass sich der Mensch nur in entsprechenden Beziehungen konstruktiv entwickeln und Fehlentwicklungen korrigieren kann. Rogers spricht bei den wechselseitigen Anerkennung als Person von „personaler Begegnung“, was ein wichtiger Bestandteil des später erläuterten Therapeutenverhaltens ist. Doch nicht nur in der Therapie, auch in anderen Lebensbereichen ist diese Beziehung zwischen zwei oder mehreren Menschen von größter Bedeutung für das menschliche Zusammenleben. In „Die Kraft des Guten“ beschreibt Rogers, dass der personenzentrierte Ansatz in Eltern-Kind-Beziehungen, in ehelichen Beziehungen, in Lehrer-Schüler-Beziehungen, in der öffentlichen Verwaltung und in der Politik Anwendung findet. Ab den 70ziger Jahren leitete Rogers selber sogenannte „Encountergruppen“, in denen Menschen den Umgang miteinander auf der Grundlage des personenzentrierten Ansatzes lernten. Es wird auch aufgezeigt, dass die sogenannten Therapeutenmerkmale in der Therapie ebenso in jeder anderen Beziehung zwischen Menschen, Bestand haben und angewendet werden sollen. Die therapeutischen Grundhaltungen:Betrachtet man Rogers theoretische Ansätze, so bedeutet die Therapeut – Klient – Beziehung in erster Linie „Hilfe zur Selbsthilfe“. Der Therapeut vertraut auf die natürlichen Entwicklungsprozesse des Klienten. Wichtig für den Therapeuten ist es, mit dem Klienten selber nach Lösungen zu suchen und keine Musterlösungen vorzuschlagen. Des Weiteren steht nicht das eigentliche Problem im Mittelpunkt des Gespräches, sondern der Klient und dessen Gefühle und Erleben. Rogers unterscheidet drei wichtige Therapeutenmerkmale:
Diese drei Merkmale sind gleichsam bedeutend für die klientenzentrierte Therapie, können aber auch im alltäglichen Miteinander angewandt, beziehungs – und entwicklungsfördernd sein. Therapieprozess:Das eigentliche Ziel der Therapie ist es, eine Änderung im Verhalten und Erleben des Klienten herbeizuführen. Am Anfang geht es darum, denn Klienten zur Selbstexploration zu bringen d.h. der Klient soll sich selber über seine Gefühle im Klaren sein und darüber sprechen. Hier ist wiederum die gegenwärtige Situation entscheidend und nicht Vergangenes. Personenzentrierte Psychotherapie ist wie schon erwähnt auf die Person bezogen und nicht auf das Problem. Die gemeinsame Begegnung und das Gespräch sollen dem Klienten helfen, mit seinem Problem besser klar zu kommen. Es muss nicht zur vollständigen Lösung des Problems oder der Störung führen. Rogers beschreibt die Therapie auch als ein Entwicklungsprozess. Die Änderungen des Verhaltens stellen sich von selbst ein, wenn der Klient gelernt hat die Inkongruenz in seinem Selbst zu überwinden. Eine wichtige Sache ist die gleichwertige Beziehung zwischen Therapeut und Klient. Der Therapeut muss bereit sein sich in den Klienten einfühlen zu wollen, ein wirkliches Interesse muss vorhanden sein, dem Klienten zuzuhören. Rogers spricht davon, dass der Therapeut den Wunsch haben sollte, den Klienten kennen zu lernen und nicht nur Hilfe geben zu wollen. Der Therapeut ist dem Klienten gegenüber nicht der Experte, der Lehrer, der Musterlösungen bietet, sondern offenbart sich dem Klienten ebenfalls als eine Person mit Gefühlen und Schwächen. Der Klient lernt sich so anzunehmen wie er ist, auch die schlechten Eigenschaften und Gefühle. Durch die Wertschätzung, die ihm der Therapeut entgegenbringt, lernt er sich selber wertzuschätzen.
Literaturangaben:
Hanko Bommert: Grundlagen der Gesprächspsychotherapie, 3. Auflage, 1977 Verlag Kohlhammer GmbH Stuttgart Zur AutorinJanina Köck bietet in Köln MindWellness für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU).
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