Diese Phasen wurden von der griechischen Kultur und Sprache
und ab 50 v. Chr. bis zum Beginn des Mittelalters (ca. 400 n. Chr.) von
den Römern dominiert. Die drei großen Athener Philosophen waren die
wichtigsten Inspirationsquellen der verschiedenen philosophischen
Strömungen dieser Zeit, die vor allem um die Ethik kreisten, also
darum, "wie der Mensch am besten leben und sterben sollte." (Gaarder,
157)
Die Kyniker betonten,
"daß wirkliches Glück nicht von Äußerlichkeiten wie materiellem
Luxus, politischem Recht und guter Gesundheit abhänge" (ebd., 158).
Unabhängigkeit von vergänglichen Dingen bedeute das wahre Glück, das
nicht verloren gehen könne.
Die heutige Bedeutung von Zynismus, der Gefühllosigkeit für das Leiden
anderer, resultiert aus einer Übersteigerung der Ansicht der Kyniker,
daß sowohl eigenes als auch fremdes Leid uns nicht bekümmern und quälen
solle.
Ein zentraler Punkt der Philosophie der Stoiker,
die um 300 v. Chr. in Athen aufkam, ist die Ansicht, daß jeder
Mensch eine Welt im Miniaturformat sei, ein Mikrokosmos, der den
Makrokosmos widerspiegelt. Auf der zeitlosen Vernunft des Menschen und
des Universums gründeten sie das sogenannte Naturrecht, das für alle
Menschen, auch die Sklaven, gültig sein solle. Es gibt nur eine Natur,
keinen Gegensatz zwischen Geist und Stoff, eine Ansicht, die als
Monismus im Gegensatz zu Platons Dualismus steht.
Aufgrund der stoischen Philosophie prägte Cicero (106 – 43 v. Chr.) den
Begriff Humanismus für eine Weltanschauung, die den einzelnen Menschen
in den Mittelpunkt rückt und Seneca (4 v. – 65 n. Chr.) schrieb, daß
der Mensch dem Menschen heilig sei. Der Begriff "stoisch" steht den
Lehren der Stoiker gemäß für einen Menschen, der sich weder in Not noch
in Glück von seinen Gefühlen mitreißen läßt, sondern gelernt hat, sich
mit seinem Schicksal zu versöhnen.
Auf der Basis der Lehren von Sokrates Schüler Aristippes,
der es für das Ziel des Lebens hielt, soviel sinnlichen Genuß wie
möglich bei gleichzeitiger Vermeidung von Schmerz zu erlangen, sowie
Demokrits Atomlehre, begründete Epikur (341 – 270 v. Chr.) seine Schule
in Athen. Ihm und seinen Gartenphilosophen ging es vor allem um
langfristigen, dauerhaften Genuß, der auch ideeller und künstlerischer
Natur sein konnte. Ohne Ideale wie Selbstbeherrschung, Mäßigung oder
Gemütsruhe war die Begierde, der nach kurzem heftigen Genuß in der
Regel die Reue folgte, nicht zu zügeln.
Auch die Angst vor dem Tod sollte überwunden werden: "Denn solange wir
sind, ist der Tod nicht da, und sobald er da ist, sind wir nicht mehr"
(ebd., 162). Ein Leben im Verborgenen und im Hier und Jetzt war die
Devise. Das vierfache Heilmittel der Epikureer lautete: "Die Götter
brauchen wir nicht zu fürchten. Über den Tod brauchen wir uns keine
Sorgen zu machen. Das Gute ist leicht zu erlangen. Das Furchtbare ist
leicht zu ertragen" (ebd., 162).
Vor allem durch Platons Ideenlehre inspiriert,
entstand die philosophische Strömung des Neuplatonismus, deren
wichtigster Vertreter Plotin (ca. 205 – 270 n. Chr.) war und die
starken Einfluß auf die christliche Theologie ausübte.
Laut Plotin ist die Welt zwischen zwei Polen eingespannt, dem
göttlichen Licht, dem Einen oder Gott auf der einen Seite, und
andererseits der absoluten Finsternis, die im Grunde aber keine
Existenz hat, sondern nur eine Abwesenheit von Licht ist. Die
menschliche Seele ist ein Funken des göttlichen Feuers und wenn auch in
allem etwas vom göttlichen Mysterium liegt, so können wir Gott nur in
unserer eigenen Seele am nächsten kommen und dort das Mysterium der
Vereinigung mit dem großen Lebensgeheimnis erfahren.
|