| Einleitung - Esoterik und Spiritualität |
| Geschrieben von David Luczyn | |
| Donnerstag, 10 Oktober 2002 | |
Esoterik bzw. der Begriff Esoterik hat in den letzten 20 Jahreneine bemerkenswerte Aufmerksamkeit erhalten und dabei mehrere Phasen durchlaufen: Zuerst war es nur ein Insiderthema, das nur kleine Zirkel und Gruppen beschäftigte. Das Interesse und die Nachfrage wuchs jedoch ziemlich schnell, die ersten Gurus tauchten auf, die Beatles gingen nach Indien und meditierten und die ersten esoterischen Buchläden entstanden. Damals nach dem vielzitierten 68iger Aufbruch war es noch primär Fernöstliches, was eingehüllt im Duft von Räucherstäbchen daherkam. All das wurde nur belächelt und von den normalen Medien noch keineswegs ernst genommen. Es diente höchstens als Lückenfüller und wurde als kurzfristige Modeerscheinung abgetan. Nach zehn Jahren wurde aus dem Trend ein Boom, der allen Unkenrufen zum Trotz sich fest und reichlich in Form von zahllosen esoterischen Zeitungen, Buchläden in jeder Stadt, eigenen Esoterikreihen in allen großen Verlagen und Tausenden von Anbietern und Veranstaltern ausdrückte. Ein Millionenmarkt, der nun zunehmend erst von der Regenbogenpresse und dann von fast allen Frauenzeitungen und auch im Fernsehen mit beachtlicher Regelmäßigkeit aufgegriffen wurde. Esoterik war in. Dann kam ein Bruch.Durch zunehmend kritischere Stimmen und dem immer häufigeren Zusammenhang und Mißbrauch esoterischer Methoden im Kontext sektenähnlicher Gruppierungen, die durch Selbstmordaktionen und ähnlichem für sehr negative Schlagzeilen sorgten, wurde Esoterik langsam zum Unwort. Vor allem Frauenzeitungen begannen sich wegen der negativen Schlagzeilen von allem was nach Esoterik roch zu distanzieren. Die Buchläden bestehen jedoch weiter und zeigen ungebremsten Zulauf, alle großen Buchhandlungen haben mittlerweile eine eigene Esoterikabteilung und man schaut sich nach neuen Namen um. Esoteriker, das heißt Menschen, die sich mit dem Sinn des Lebens auf die eine oder andere Art befassen, gibt es mittlerweile überall. Nicht alle hängen es sich als Schild um, aber die Thematik ist Teil des Zeitgeistes und der Gesellschaft geworden, ob man es nun merkt oder nicht. Über die durchaus skurilen Blüten, die es innerhalb der Esoterikszene gibt, sollte durchaus mehr berichtet werden, sie sind auch den ernsten Esoterikern ein Dorn im Auge, den sie entweder verdränge oder belächeln. Im Grunde sind sie Teil der ersten Schritte auf dem Weg, über die auch die Kenner irgendwann einmal gestolpert sind. Wir leben in einer Zeit,in der der Mensch sich mehr und mehr von sich selbst entfremdet und seine Identität aus den von Mode und Trends vorgegebenen Äußerlichkeiten definiert. Diese Orientierung an den Werten und Vorlieben der Masse gibt Sicherheit und Anerkennung, läßt aber letztendlich das Individuum seelisch, zwischenmenschlich und kreativ verarmen.
Esoterik ist nichts Neues,im Gegenteil: Vieles von dem, was Sie hier und heute sehen, lesen und erfahren können, hat weit zurückreichende Wurzeln in alten Kulturen und Religionen. Unter dem Überbegriff Esoterik oder New Age (Neues Zeitalter) findet sich nun alles zusammen, was an einem neuen Denken, einem neuen Bewußtsein und an einem neuen Zeitalter mitgestalten möchte. Das Spektrum ist sehr breit und nicht jedem paßt die Zuordnung zum Esoterik oder New-Age-Begriff, weil er oft zu sensationsheischend oder abfällig von den Medien durch die Schlagzeilen gezogen wurde. Esoterik und New Age sind einfach praktische Überbegriffe, aber kein Eintopf religiöser Subkultur, als der sie oft dargestellt werden. Was hat nun die Esoterik zu bieten?Esoterik war ursprünglich eine Geheimwissenschaft. In fast allen Kulturen gab es kleine Gruppen von "Eingeweihten", die um den Sinn des Lebens wußten, ihn bewahrten und an wirklich motivierte Sucher weitergaben; ob das nun Druiden, Schamanen, Magier, Hexen (im positiven Sinne), Geheimbünde oder Orden (z.B. Essener, Rosenkreuzer, Freimaurer) oder Religionsstifter (wie Buddha und Christus) waren. Sie "wußten" mehr und lehrten es. In allen großen Religionen gibt es
deutlich unterscheidbare exoterische und esoterische Aspekte. Die
Organisationsstruktur (z.B. Kirche), das etablierte Dogma und Ritual,
ihre Vertreter (Priester) sowie die "offiziellen" heiligen Schriften
sind der exoterische Aspekt einer Religion. Sie beschreiben die
religiösen Verhaltensregeln und den Glauben für die Masse, der von
einem obersten, weltlich-geistlichen Vertreter wie etwa dem Papst
repräsentiert wird. Beispiele für esoterische Bewegungen sind im
Christentum die Gnostiker, im Islam die Sufis, im Hinduismus die
Tantriker und im Judentum die Kabbalisten. Genau das möchte ich Ihnen hiermit ans Herz legen:Nach innen zu schauen und neue Wege des Denkens, Fühlens und Lebens zu versuchen. Das Risiko zu wagen, den Trampelpfad der Massen in die globale Katastrophe zu verlassen und Ihren ureigensten Weg der Selbstfindung und Selbstverwirklichung zu suchen und zu gehen und damit verantwortlich für sich selbst und Ihre direkte Umwelt zu werden. So läßt sich vielleicht das Ausmaß der Innenweltverschmutzung und damit auch der Umweltzerstörung verringern. Vieles von dem, was heutzutage im esoterischen Bereich angeboten wird, ist aus dieser Suche heraus gewachsen, hat Menschen und ihr Leben verändert, ihnen Sinn, Kraft und Hoffnung gegeben. Allerdings gibt es auch in esoterischen Kreisenvielerlei Unkraut, Trittbrettfahrer und Nutznießer. Hier sind die gleichen Mechanismen wie Macht, Geltungsbedürfnis und Kommerz wirksam wie in anderen gesellschaftlichen Kreisen (Wirtschaft, Politik, Kirche). Aber auch sogenannte Unkräuter oder giftige Pflanzen können im gewissen Rahmen und richtiger Dosierung nützlich und heilend sein. Die Spreu vom Weizen zu trennen, ist ein Teil des esoterischen Weges und eine Fähigkeit, die gelernt sein will. Sie reift in dem Maße, wie Sie Vertrauen in Ihre Intuition und Ihre inneren Stimme gewinnen. Ein weiteres Ziel ist die Ablösung
oder Ergänzung der einseitig materiell-wissenschaftlich orientierten
Weltanschauung durch die Wiederentdeckung der ursprünglichen Einheit
von Körper-Seele-Geist (holographisches Weltbild), bzw.
Mensch-Kosmos-Gott.
Der chinesische Weise Laotse drückte das zu seiner Zeit so aus: "Wollte der Kaiser sein Reich in Ordnung bringen, schaffte er erst Ordnung an seinem Hofe, zuvor jedoch in seiner Familie und davor bei sich selbst." Esoterik versucht daher, theoretisch, praktisch und experimentell den Menschen den "Delphischen Spiegel" vorzuhalten, der sagt: "Erkenne dich selbst" oder - wie es heute oft heißt - "Sei, der du bist". Esoterik und Meditation sind "in".
Anerkannte Physiker und Wissenschaftler wie Fritjof Capra, Peter
Russell, Francisco Varela, linke Politiker wie Rudolf Bahro,
weltbekannte Künstlerinnen wie Shirley MacLaine, Penny McLean sind zu
Sprechern einer Bewegung geworden, die sich mittlerweile nicht mehr als
Mode oder Zeiterscheinung abhandeln läßt. Das haben auch die Medien,
die Manager und der kommerzielle Markt gemerkt. Esoterik als
Lebensphilosophie und als praktische Lebenshilfe halten Einzug in das
weite Feld des "Neuen Denkens". Das Verbindende der spirituellen Szene
scheint mir zu sein, daß sie auf optimistische, unkonventionelle und
experimentelle Art nach neuen Wegen sucht, um durch individuelle
Selbstverwirklichung und Entdeckung der Eigenverantwortlichkeit etwas
am kollektiven Traum(a) zu verändern. Realitätsflucht, Macht und Geltungsbedürfnis,Konsum und Kommerzialisierung sind menschliche Schwächen und Eigenschaften, die überall wirksam sind, ob nun in der Sport- und Unterhaltungsindustrie, in der Mode, der Politik oder im Esoterik-Bereich. Der Mensch mißbraucht alles, ob nun den Mitmenschen, die Natur oder das Atom, aber warum er das tut und wie er es ändern kann, das sagt ihm kein Wissenschaftler und kein Priester, sondern nur der Psychologe oder der Esoteriker. Esoteriker sind im Idealfall beides in einem - und sie können ihm helfen, es zu ändern. Alle ernsthaften esoterischen und spirituellen Gruppen
wie auch die ganzheitlichen Therapien versuchen - so meine eigene
Erfahrung - dem Menschen sich selbst begreifbar zu machen und ihm vom
Grund auf zur Selbsterkenntnis zu verhelfen: die einen umsonst, die
anderen für Tausende von Mark. Aber auch das ist ein interessantes
menschliches Phänomen: Für viele schafft der Preis erst den Wert und
nicht unbedingt die Qualität. Das Etikett zählt, ein berühmter Name;
etwas kann nur gut sein, wenn es viel kostet. Davon profitieren auch in
der Esoterik-Szene bestimmte Leute. Quellen und Verweise
Leuenberger, Hans-Dieter: Das ist Esoterik, H. Bauer, 1985 Weiterführende LinksDie Esoterik ist ein Sammelbegriff der unterschiedlichen „alternativen“ Weltanschauungen. Die Grenzen zwischen dem Begriff Esoterik und „klassischen Ansätzen“ sind fliessend. Astrologen24 bietet hierzu Hintergrundinformationen und eine gebührenpflichte telefonische Beratung. |
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| Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 17 Mai 2007 ) |
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